Ausgetrickst

Ich wurde schon gefragt, was ich die letzte Woche so gemacht habe, weil ich gar nicht geschrieben hab.

Nun, ich habe gelernt. Ja, ich habe wirklich gelernt, und das war ziemlich anstrengend.

Es ist ja so, wir Hunde sind dazu da, vorweg zu gehen.

Immerhin schnüffeln wir uns voran, geben das Tempo an und ziehen Herchen oder Frauchen durch die Gegend. Das können wir gut, das machen wir auch ganz gern.

Ich habe es auch gemacht. Frauchen hinterhergezogen, jahrelang. Sicher hatte ich schon Hornhaut unter dem Geschirr, denn wer mein Frauchen kennt, weiß, dass es ganz schön schwer ist, sie zu ziehen.

Aber das ist nun anders.

Zwangsweise.

Es fing damit an, dass sie die Nase voll hatte, wie sie sagte. Sie hatte keine Lust mehr, sich von mir den Arm langziehen zu lassen, meinte sie, und erinnerte sich bedauerlicherweise an den Rat von einer klugen Dame aus der Hundeschule.

Sie machte uns beide fertig zum Ründchen, ich zappelte und zerrte in Russelmanier und freute mich schon darauf. Auf der Strasse wollte ich fix wie immer erst einmal ohne Rücksicht auf Frauchen losrennen.

Ich schmiss mich also ins Geschirr, machte zwei Schritte und…hing fest. Frauchen stand wie ein Baum festgewurzelt auf der Straße. Hä?

Sie sah mich nicht an, blickte geradeaus und wartete.

Verunsichert sah ich sie an, zog und zerrte an der Leine, jieperte und wollte vorwärts.

Sie rührte sich nicht.

Ich zog mit aller Kraft, und hinterließ bestimmt schon Kratzspuren auf der Straße.

Sie blieb stehen. Obwohl ich sie schon zum Wanken gebracht habe, Hehe!

Ob sie krank ist?

Irritiert lief ich ein paar Schritte rückwärts.

Da setzte sie sich wieder in Bewegung.

Hä? Was soll das?

Ich wolllte nun endlich los und zerrte wieder. Da blieb sie wieder stehen.

Nach einer gefühlten Ewigkeit lief ich wieder zu ihr. Sie ging weiter.

Ich rannte los, sie blieb stehen, ich lief zu ihr zurück, sie lief mit mir weiter, ich rannte los, sie blieb stehen…..

Wir waren nun schon eine Weile unterwegs, und immer noch nicht an meiner Lieblingsgassistelle angekommen. Obwohl diese nur 50 m von unserer Tür entfernt ist. Wenn das so weitergeht, dachte ich mir, mach ich mir gleich ins Fell.

Also dachte ich mir, ich überliste sie mal, mal schauen, was sie macht, wenn ich einfach nicht vorwegrenne.

Ich trippelte wieder zurück, sie setzte sich daraufhin schwungvoll in Bewegung, wartete aber merklich darauf, wieder stehenbleiben zu müssen.

Ausgetrickst!

Ich sprang gar nicht vor, sondern lief neben ihr. Also nicht richtig neben ihr, das wäre zuviel, aber doch so, dass sie nicht stehenblieb.

Gut, dass sie mein triumphierendes Grinsen nicht sah.

Wuff

Morgen mehr….

 

 

 

Platzreservierung

Heute hab ich keine Lust zum Schreiben. Es scheint die Sonne und ich liege auf dem Teppich und döse.

Frauchen ist wieder da, und ich hab ihr über die Schulter geschaut, als sie gestern ihrer Freundin eine mail geschrieben hat.

Sie schrieb:

“………

Am Samstag bin ich zu meiner Mama nach Hannover gefahren. Genauer gesagt, in einen kleinen Ort bei Hannover.
Göga buchte die Fahrkarte wie immer im Internet und los gings.
Platzreservierung hatte er vergessen, das holte er aber noch vor dem Losfahren zum Bahnhof nach.
Auch für die Rückfahrt, logisch, Frau will ja nicht stehen.
Also Samstag hin, die üblichen Verspätungen welche mir eine halbe Stunde mehr Aufenthalt in Hannover bescherten, egal.
Heute zurück.
Göga schickte mir noch die Platzreservierung aufs Handy, ich kurz draufgeschaut, ab in den ICE.
Platz besetzt.

Hm.
Der Platz war von Berlin bis Hamm reserviert. Von der daraufsitzenden leicht fülligen Dame, die mir daraufhin erklärte, das dies IHR Platz sei, den sie reserviert hat und auch BEZAHLT habe, und ich somit dort jedenfalls nicht sitzen dürfte. Als Beweis, und um ihr Wort- und gestenreich dargestelltes Anrecht auf ebendiesen Sitzplatz zu untermauern,hielt sie mir ihre Reservierung unter die Nase.
Langsam begann ich an mir und der Gerchtigkeit zu zweifeln, und zog mich schmollend in eine halbbesetzte Sitzbank zurück, in der ein Herr älteren Semesters nach einer Weile begann, mir Frikadellen an meine behosten Beine zu labern.
Und zu allem Überfluss kam er mit jedem Kilometer, der sich der ICE meine Heimatbahnhof näherte ebenfalls näher.
Ich schielte noch einmal unauffällig auf die Reservierung im Handy, und begann, Mordsgedanken zu schmieden.
Mein Mann hatte wohl für den falschen Zug reserviert.
Am Bahnhof stieg ich erleichtert aus, den Kopf schon ob des erwarteten bevorstehenden Wutausbruches meinerseits leicht gerötet, die Ärmel bereits hochgekrempelt und kurz vor dem Siedepunkt.
Keiner wartete auf mich.
Es war kalt, ich fror wie Hund und die Frikadellen am Knie begannen, Gefrierbrand zu bekommen.
10 min später war immer noch keiner da.
Ich rief an, fragte ganz lieblich wo er denn bliebe, mein Chauffeur und Ehemann.
“Hä? ” lautete die erstaunte Antwort ” Du bist eine Stunde zu früh! ”
Ich schaute auf meine Fahrkarte, dann auf die Uhr, auf die Reservierung….Wääääägs

Meine Wut löste sich in Luft auf. Ich hätte mich in den Hintern beißen können.

Ich bin also eine Stunde zu früh losgefahren. Und keiner der Kontrolleure hats gemerkt.

………”

Ja, was soll ich dazu sagen. Mein Frauchen halt.

Wuff

Eskapaden

Nachdem ich mich nun gestern vollgefuttert hab, haben wir das Nachspiel letzte Nacht gehabt.
Schon den ganzen Nachmittag rumpelte und grollte es in meinem Köterbauch.
Auch ein langer Spaziergang gestern Abend und noch eine Spieleinheit im Garten verbesserte es nicht.
Im Gegenteil.
Ich saß abwechselnd jiepend in meiner Box, dann hüpfte ich wieder raus, legte mich auf den warmen Fußboden, rollte mich im Sessel zusammen, hüpfte wieder in die Box….wieder hinaus…so ging das den ganzen Abend.
Herrchen ließ mich noch einmal raus, bevor er ins Bett ging, dann war Schlafenszeit.
Eigentlich.
Nur kam ich nicht zum Schlafen.
Mein Rudel demzufolge auch nicht.
Denn ich saß fiepend und jaulend in der Küche, immer in Angst, ich würde mir ins Fell machen.
Im Stundenrhytmus ging Herrchen oder Frauchen entnervt mit mir vor die Tür.
Meist entfleuchte mir dann nur ein langer Pups, aber das weiß man ja nicht vorher.
Kaum waren sie wieder im Bett, die Lichter gingen aus, begann mein Bauch wieder zu grummeln.
Erst gegen fünf kam er und kurz danach auch ich zur Ruhe.
Dann auch der Rest meines Rudels.
Nicht lange, denn sie mussten aufstehen .
Stöhnend und gähnend rumorten sie in der Küche, während ich mich gemütlich und erschöpft von meinen nächtlichen Eskapaden auf dem Sessel zusammenrollte und schlief.
Hundi muss man sein.
Wuff

Vegetarisch

imageWie jeden Morgen stand Frauchen heute auf, weckte den Pimpf und mein Herrchen, und schlurfte gähnend in die Küche.
Dann schaltete sie die Kaffemaschine ein und legte ein Pad in den Halter.
Während der Kaffe durchlief, toastete sie ein Körnerbrötchen für den Kleinen und deckte den Tisch.
Ihre Augen waren immer noch nicht ganz offen, aber ich kenn das schon. Manchmal denke ich, sie schläft noch, wenn sie so früh durch die Küche tapert.
Mit genau diesen halboffenen Augen machte sie den Pimpf und Herrchen fertig “zum Abflug” , wie sie immer zu sagen pflegte.
Nebenbei saugt sie den Kaffe ein, so eine Tasse geht weg wie nix .
Danach, wenn sie schon das dritte oder vierte Mal die Kaffeemaschine bestückt hat, bin ich dran. Dann sind alle aus dem Haus und ihr Koffeinpegel nähert sich dem untersten Minimum .
Regelmäßig geht sie dann zum Kühlschrank, was mir ein erfreutes Bellen und Jiepen entlockt.
Aber diesmal war der Kühlschrank leer.
Und ihre Augen wurden urplötzlich ganz groß und rund.
“Hä? Wo ist dein Futter?”
Sie sah mich entsetzt an, dann wieder in den Kühlschrank, dann wieder mich…
Sie war jetzt wach.
Mein Vorfreudejaulen wurde lauter und sie begann hektischer zu suchen.
Mit sich überschlagenden Pantoffeln flitzte sie in die Vorratskammer und sah dort nach.
Nix.
“Bella, wir haben vergessen Futter zu kaufen. Sch..”
Meine Vorfreude schlug augenblicklich um in eine große Angst vor dem Hungertod,
was ich auch gesanglich gut darstellte.
Sie fluchte,und versuchte mich mit Trockenfutter ruhigzustellen. Also Hundemüsli.
Reichte aber nicht, fand ich.
Dann schlug sie mir ein leckeres Eigelb in meinen Napf.
Reichte auch nicht.
Ich machte weiter und sie versuchte mich mit allen hundetauglichen Sachen zu füttern. Mir machte es mittlerweile Spaß, ich hab selten so gut und vielseitig gefrühstückt.
Also dachte ich…mal sehen, was ich noch so absahnen kann.
Aber sie wurde misstrauisch .
Da ich so tat , als habe ich immer noch Hunger, nahm sie eine Packung Fleischwurst aus dem Kühlschrank.
Ohhhhhhh, LECKER!!!!!
Sie riss sie auf, begierig und scheinbar dem Tod näher als dem Leben riss ich im Gegenzug mein Schnäuzchen auf.
Sie ließ eine Scheibe…einen ganze Scheibe..fallen.
Schnapp…Schmatz…….Würg!
Sie hielt mir die Packung hin.
“Vegetarische Fleischwurst”

Ich war augenblicklich satt.
Boah…..wo ist die Nummer vom Tierschutz?

Regen

Bei uns regnet es Katzen und Hunde, sagt Frauchen.

Ich sprintete also ans Fenster und sah hinaus. Aber ich sah …nichts. Keine Katzen und keine Hunde auf der Wiese. Nur nass und Pfützen .

Hm.

Ich saß eine Weile am Fenster, auf meinem Lieblingsplatz, von dem ich einen super Überblick hab, was so im Garten passiert. Es regnete ganz zart und sacht vor sich hin, der Wind der letzten Stunden hatte sich gelegt.

Frauchen zog ihre Jacke an, die Regenfeste, und klapperte mit der Leine.

“Bella, wie is, Bock auf Gassigehen?” Gassi? Klar doch!

In Windeseile war ich angeleint und trommelte ungeduldig mit den Pfoten, da Frauchen noch einen Regenschirm suchte. Aber sie hatte ihren im Auto, wie sie genervt feststellte, also zogen wir ohne los.

Wir liefen gemächlich los. Sie machte sich einen Scherz daraus. in die Pfützen zu stapfen, so dass ich jedesmal ein paar Spritzer abbekam und noch nasser wurde. Ich konnte mich nicht wehren, da ich an der Leine hing, und war nach einer Weile tropfnass.

Ich merkte mir das.

Wuff.

Als wir an der am weitesten entfernten Stelle von zu Hause ankamen und gerade umkehren wollten, legte der Regen etwas zu.

Pfotengroße Tropfen ballerten auf mein Fell und auf Frauchens regenfeste Jacke. Sie stellte nach 5 Sekunden fest, dass die Jacke doch nicht regenfest war und fluchte den ganzen Weg über vor sich hin. Ich grinste in mich hinein, schüttelte mich immer mal wieder aber ich lief sinnigerweise unter den Büschen, so war es nicht ganz so schlimm.

Vor der Haustür wollte Frauchen, dass ich mich schüttele, bevor ich die Wohnung betrete. Ich stellte mich taub, ich hatte noch was vor.

Da sie mittlerweile durchnässt war, ließ sie mich so hinein.

Noch im Flur begann sie, sich die nassen Klamotten vom Körper zu reißen und hüpfte in Unterwäsche ins Bad. Ich stand immer noch mit der Leine da und mir rann die Nässe langsam unangenehm durchs Fell, aber ich blieb standhaft und schüttelte mich immer noch nicht….

Ich dachte an die Pfützen .

Ein paar Minuten später kam Frauchen aus dem Bad, frisch und trocken bekleidet beugte sie sich zu mir runter und wollte mir endlich die Leine abmachen.

Und ….. ich begann mich endlich ausgiebigst zu schütteln, dass die Tropfen nur so auf Frauchen, den Teppich und die frische Tapete prasselten.

Tja….

Wuff

 

 

Forelle

Ich träumte, ich schwebe davon, hoch hinaus, über den Zaun,die Bäume, die Häuser….

Immer weiter, über die Stadt und über Ostwestfalen, bis ich unter mir Wald sah, Berge und einen kleinen See. Ich merkte,dass ich an Höhe verlor, langsam und gemächlich.

Ich sank hinab, auf eine Wiese an einem Bach. Diese war umsäumt von Bäumen, an denen Würste verschiedener Größe hingen. Der Boden war nicht aus Gras, sondern aus kleinen Leckerchen, die verführerisch dufteten.

Der Bach war mit kühlem klaren Wasser gefüllt, in dem Fische nur darauf warteten, in mein offenes Schnäuzchen zu springen.

Ich wusste gar nicht, wohin ich mich zuerst wenden und was ich als erstes zu mir nehmen sollte. Mein Schnäuzchen stand auf und der Speichel floss in Strömen.

Ich lief zum Wasser. Sofort kamen Fischlein in verschiedenen Größen freudig angeschwommen, und ich öffnete mein Schnäuzchen. Eine wunderschöne mittelgroße Forelle erhob sich aus dem Wasser um mich zu sättigen.

Ich sah wie in Zeitlupe wie sie näher kam, vor meinen gierigen Augen größer wurde…

“BELLA! Runter vom Sofa! Sofort!”

Hä?

Ich war wach, von 0 auf 100 in einer Sekunde, und sprang vor Schreck mindestens einen Meter aus dem Liegen hoch.

Herrchen sein Gesicht schaute über die Couchlehne und er donnerte mich an.

“RUNTER!”

Ertappt.

Wenigstens die Forelle hätte er mich fressen lassen können, dachte ich, als ich von der Couch sprang und mich in meine Box trollte.

Mist.

Wuff

 

 

Morgenschläfchen

Hab heute eine Auseinandersetzung mit Frauchen gehabt.

Es war früh am Morgen, ich hab gefrühstückt, vor Frauchen, da lege ich Wert drauf, und wollte vollgefuttert mein Morgenschläfchen halten.

Ich MUß vor Frauchen frühstücken, weil ich dann die Sachen, die ich am Tisch erbettele richtig genießen kann, und nicht nur hungrig herunterschlingen muss. Wollte ich nur mal gesagt haben.

Wuff.

Frauchen bügelte, und ich nutzte die Chance, möglichst lautlos aufs verbotene Sofa zu hüpfen.

Sie durchschaute mich, kam angeschlichen und schaute über die Lehne. Ich versuchte, die Augen geschlossen zu lassen, wenn ich sie nicht sehe, kann sie mich ja auch nicht sehen, dachte ich.

“Bella! ”  Ich sah zu ihr hoch,scheinbar hatte sie mich doch entdeckt, sie muss Zauberkräfte haben.

Die Augen zusammengekniffen, den Mund schmal wie ein Strich. So sah sie mich an. Ich reagierte nicht.

Dann zog sie die Augenbrauen hoch “BELLA! ” und sie zeigte auf den Boden.

Okay, dachte ich mir, und sprang herunter.

Sie ging wieder bügeln.

Ich legte mich auf den Teppich, sie vergewisserte sich mehrfach, dass ich da auch liegenblieb.

Scheinbar schien sie mir zu vertrauen.

Wuff.

Nach einer Weile kam sie nicht mehr, also schlich ich diesmal auch leise zum Sofa, und sprang elfengleich hinauf. Dort grunzte ich noch etwas, lauschte und fiel dann in meinen wohlverdienten Schlaf.

……..

 

 

Schwanzhaare

Jetzt bin ich ja eine ganze Weile nicht zum Schreiben gekommen. Hier ist einiges los gewesen.

Samstag hab ich es endlich mal geschafft, mit dem frechen Nachbarshund ein ernstes Wörtchen zu sprechen.

Also, genauer gesagt, wir haben ein bischen gekämpft. Nicht so sehr, dass einer von uns verletzt gewesen ist, aber ein paar Haare haben wir beide gelassen.  Ich war mit Herrchen und dem Pimpf draußen, fast schon wieder zu Hause, da schoss der aus seinem Garten und fiel mich an. Glücklicherweise kenn ich ja einen Trick, wie ich im Schnellverfahren aus meinem Gurt komme.

Einmal kurz nach hinten ziehen, Pfötchen und Kopf durch und ich war frei.

Er war wie gesagt leider  auch frei. Aber so waren die Chancen gerecht verteilt.

Wir rannten umeinander, übereinander, kläfften, jaulten, verbissen uns ins Fell und  ich ihn in den Schwanz. In dem Moment hab ich den Vorteil eines kurzen Stummelschwänzchens erkannt. An meinen kam er nicht ran. Hehe!

Herrchen brüllte mich an und stapfte mit seiner Stütze, das Herrchen vom Gegner schimpfte und Frauchen hörte das Gekreisch bis ins Wohnzimmer.

Also stand sie dann plötzlich mit Puschen auf der Straße, fing mich ein, schnappte mich, also sie löste mich vom Schwanz meines Gegners und machte mir die Leine wortlos ans Halsband.

Dann führte sie mich ab. Wie einen Gangster.

Vor Wut und Erregung zitterte ich, seine ausgezupften Schwanzhaare hingen mir noch aus dem Schnäuzchen. Ich schaffte es noch, einen drohenden Blick in seine Richtung zu werfen und die Pfote zu ballen.

Wir sahen uns kurz in die Augen.

Genauso wie ich war er hilflos  gefangen im Arm des Gesetzes.

Auch er ballte die Pfote.

Warte nur, dachten wir beide.

Das letzte Wau ist noch nicht gesprochen.

 

 

image

Gift

Der Pimpf und Herrchen blickten entsetzt auf ihren Arm, sie könnten es nicht fassen. Herrchen würdigte mich keines Blickes, schnappte Frauchen und fuhr mit ihr davon.

Zum Glück war der große Bruder vom Pimpf noch da, so dass der Kleine nicht allein blieb, und sie mit mir noch schnell rauskonnten.

Nach einer gefühlten Ewigkeit kamen sie wieder. Sie hatte einen dicken Verband am Arm und beide rochen intensiv nach einem Abstecher in ihre Lieblingspizzeria. Frauchen inklusive Rotwein und Ramazotti.

“Nicht so schlimm, heilt wieder, sagt der Doc. Ich soll nur aufpassen, dass ich keine Blutvergiftung bekomme, wenn ich Fieber krieg oder der Arm heiß wird, muss ich ins Krankenhaus.”

Sie lächelte mich Rotwein-und -Ramazottiselig an. “Ach Köterchen, du machst mich noch fertig.”

Ich kroch bei Frauchen unter den Schreibtisch und rollte mich auf ihrem Stuhl zusammen. Und dachte nach.

Woher kommt das Gift? Bin ich giftig? Ist Frauchen giftig? Oder das Blut von ihr?

Oder hab ich vielleicht, so wie die Schlange im Fernsehen, auch so spitze Giftzähne?

Bin ich vielleicht so ein kleiner Klapperrussel?

Werd jetzt auch aufpassen, ob meine Reißzähne dick werden. Nicht dass ich dann auch eine Vergiftung dranbekomme.

Wuff

Grundsatzdiskussion

Freitag Abend, es war schon dunkel, wollte Frauchen mit mir um die Häuser ziehen.

Sie sagt immer, früher hätte das eine andere Bedeutung gehabt, aber leider wird sie auch älter. Da muss man dann kleiner Brötchen backen und sich beim “umdiehäuserziehen” auf den an der Leine hängenden Köter beschränken. Ich weiß, dass sie den Begriff Köter niemals abschätzig oder beleidigend einsetzen würde. Ich bin ihr Köter. Punkt.

Aber kommen wir zum Anfang zurück.

Wir zogen also los.

Die kleinen Hundenachbarn waren auch gerade draußen , sie unterhielten sich angeregt und laut mit einem anderen Hund, der eben hier vorbeilief.

Und ich schaltete mich ein. Heißt, ich kläffte mit.

Da ich mich mit den Hundenachbarn überhaupt nicht verstehe, aber auch nicht unbedingt mit dem Hund, der gerade vorbeilief, war es etwas schwierig .

Frauchen meckerte rum, und versuchte mich unauffällig um die andere, noch von Hunden unbesetzte Häuserecke zu bekommen.

Aber ich konnte es nicht lassen, mich weiterhin mit den beiden zu bekläffen. Wie gesagt, wir sind uns nicht grün.

Wir waren gerade um die Ecke, als sich der eine Hund vom Halsband losriss und hinter mir hergeschossen kam. Er wollte die Sache wohl im Vieraugen-Gespräch klären.

Ich krempelte fix meine Ärmel hoch und wollte ebenfalls los. Zur Grundsatzdiskussion .

Frauchen war schneller. Sie packte mich am Schlafittchen und hielt mich hoch, gerade noch außer Reichweite des anderen Hundes. Ich wollte ihr Eingreifen nicht so ohne weiteres akzeptieren, nicht dass es heißt, ich brauche einen Beschützer.

Also versuchte ich mich loszubeißen.

Da passierte es. Plötzlich war Frauchens Arm zwischen meinen beißenden Zähnen. Meine Reißzähne bohrten sich hinein, ich konnte es nicht verhindern. Sie gingen durch wie Butter. Nix mit alt, dachte ich noch.

Sie sagte keinen Mucks, hielt mich tapfer hoch. Das Herrchen des anderen Hundes kam angehechelt und versuchte, den kleinen einzufangen. Er wand sich so wie ich, mit dem Unterschied dass er nicht eingefangen werden wollte, und ich eingefangen war.

Letztendlich wurde er angeleint und ich herabgelassen.

Frauchen lief mit mir nur unter die nächste Laterne und besah sich ihren Arm. Sie stieß einen unflätigen Fluch aus und die Gassirunde wurde von ihr abgeblasen.

Sie brachte mich nach Hause und meinte zu Herrchen lapidar “Wir müssen mal zu Doc. ” und hielt ihren tropfenden Arm hin. Dann erklärte sie die ganze Sache.

Ich wollte am liebsten vor Scham im Erdboden verschwinden, aber es ging nicht. So setzte ich mich neben sie und leckte ihre Füße, während sie sich ein Pflaster aufklebte und wartete, dass Herrchen sich anzog.

Den Rest erzähl ich euch morgen.

 

20150116_154620

Rudolf

Frauchen ist krank.

Heute morgen, als der Pimpf in die Schule und Herrchen auf Arbeit musste, schaute sie nur kurz zu uns rein. Die Augen verquollen, blass und krächzend.

Sie schaffte es noch, mir Futter in den Napf zu tun und die Beiden zu verabschieden. Dann verabschiedete sie sich wieder ins Bett, wie sie mir sagte.

Als sie aufstand, sah sie auch nicht besser aus. Müde schlurfte sie im Nachthemd zur Kaffeemaschine und danach auf die Couch, wo sie sich stöhnend niederließ. Ich versuchte sie zum Spielen zu animieren. Schleppte ihre Hausschuhe in den Flur, trug meine Kauwurzel vor ihre Füße und zog ihr die Wolldecke weg. Aber sie reagierte nicht drauf. Sah mich nur müde an und krächzte “Bella, lass das, ja?”

Hm.

Irgendwann dann zogen wir eine Runde um den Block. Ich merkte, dass sie nicht richtig mitkam und lief langsamer. “Bella, du läufst, als ob du die Handbremse angezogen hast und gleichzeitig Gas gibst!” Sie lachte. Es hörte sich furchtbar an, und sie tat mir mächtig leid.

Ihre Nase war schon ganz rotgeputzt, und ich bin mir sicher, dass sie im Dunkeln leuchten würde.

Zu Hause angekommen spielte sie noch ein wenig mit mir, bevor sie sich wieder auf die Couch legte.

Ich wollte mich aus Solidarität dazulegen. “Bella, du steckst dich an! Geh runter!”

Mir kam das Bild von einem Rentier mit leuchtender Nase in den Kopf, und ich flüchtete. Nicht das ich als Rudolf der kleine Russel ende.

Wuff

Nun warte ich auf Herrchen, der ist heute Abend fällig.