Chamäleon

Ich glaube, Frauchen ist ein Chamäleon .

Jeden Morgen steht sie auf, verknittert im Gesicht, die Haare matschig und zerwühlt und die Augen halb zu.

So schlurft sie dann in der Küche herum. Macht Frühstück, schickt ihre Männer weg , die großen und kleinen, und lässt in der Zeit ein paar Tassen Kaffee in ihrem Mund verschwinden. Ich bin ja immer schon froh, das sie mit meinem Frühstück den Fressnapf trifft, so verpeilt ist sie.

Aber dann, die Familie ist außer Haus, verschwindet sie im Bad, wo ich niemals freiwillig hinein gehen würde.

Dann höre ich das Wasser rauschen, und es klappert und zischt.

Nach einer gefühlten Ewigkeit erscheint sie wieder. Eine ganz andere Frau.

Das Gesicht nahezu faltenfrei, die Haare gelockt, und die Augenränder bemalt. Nach unterschiedlichen Sachen riechend, das nennen Menschen glaub ich Parfüm.

Ich weiß nicht, wie sie das macht, aber bei Herrchen klappt das nie.

Hm.

Bei mir auch nicht.

Ich seh, wenn ich aus der Dusche komme, immer aus wie eine nasse Ratte.

Wuff

 

Rückenglatze

Ich hoffe nun, der Haarausfall legt sich langsam.

Frauchen hat eine tolle Idee gehabt, und einen Handschuh zum Fellrausziehen mitgebracht.

Sie kam vom Einkaufen und ich hibbelte schon, weil sie mir immer etwas mitbringt. Also sprang und hüpfte ich herum, und versuchte, in ihre Einkaufstasche zu schauen. Denn ich roch, dass sie im Hundefutterladen war.

Aber sie lächelte mich nur geheimnisvoll an und stellte die Tasche hoch.

Mist.

Wuff

Irgendwann dann kam sie an, die rechte Hand auf dem Rücken,und sagte, ich solle mich auf den Boden vor sie legen. Tat ich auch.

Bestimmt wollte sie mir jetzt das Leckerchen geben, dachte ich.

Aber sie nahm die Hand vor und hatte ein nach Gummi stinkendes Ding an der Hand stecken.

Mit diesem begann sie, meinen Rücken zu schubbern und zu streicheln. Erst war ich noch entsetzt, aber dann schmolz ich vor Wonne fast auf die Fließen. Frauchen kicherte sich einen ab, wie ich da ganz selig lag, und mir das Winterfell rausstreicheln ließ .

” Irgendwann schnurrst du, und dann nenn ich dich Minka. So wie Nachbars Katze…” lachte sie.

Was? Katze? Wo?

Wuffwuffwuffwuff…

Ich sprang auf meine Füße und raste ans Fenster. War aber leider keine da zum bellen. Also Fehlalarm.

Frauchen kniete auf der Erde und stöhnte. Der Boden sah jetzt so aus.

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Ich hab jetzt eine Rückenglatze, glaub ich.

Aber ich bin trotzdem froh, es juckt nicht mehr.

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Fellwechsel II

Ich beobachtete gestern meinen Haarausfall. Auch wenn es noch so sehr juckte, ich vermied es, mich zu kratzen oder auf dem Teppich zu wälzen.

Meine Angst vor einer Glatze wurde noch durch Frauchens Kommentare untermauert. Wie üblich machte es ihr Spaß, mich zu ärgern. So legte sie mir zum Beispiel demonstrativ das Strickzeug vor die Nase, mit dem Hinweis, ich solle mir schon einmal eine Farbe für mein neues Fell aussuchen. Sie meinte, sie kann mir auch eins filzen, was ich aber ebenfalls dankend ablehnte – ich kenne Herrchens handgefilzte Hausschuhe. So einen Flohfeudel will ich nicht.

Da lauf ich doch eher nackt, echt.

Die Idee, mir ihre Lieblingsbluse zu geben, kam Frauchen mal wieder nicht. Obwohl ich fand, das das Muster mir besonders gut steht.

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Wuff

Langsam begann es unerträglich zu jucken, ich versuchte zu schlafen und es einfach auszublenden, aber es funktionierte nicht.

Wenn ich eindöste, träumte ich von Massagebürsten, die mir alle losen Haare wegschubberten, von herrlich hohen Wollteppichen, auf denen ich mich grunzend wälzen konnte, und von klaren kühlen Wasserfällen, die meinem Juckreiz den Garaus machen.

Leider sah ich mich am Ende der Träume immer nackt, nur mit zwei Haarbüscheln an den Haaren. Innen und außen.

Dann wurde ich wach, und besah mich erst einmal panisch.

Im Schlafzimmer , da wo die verbotenen Betten standen, war ein Spiegel, in dem auch ich mich betrachten konnte. Was ich auch stundenlang tat.

Ich sah bis jetzt keine haarlosen Stellen, so sehr ich mich auch wendete und drehte.

……..

Fellwechsel

Heute morgen bin ich aufgewacht und reckte und streckte mich. Das ist mein persönliches morgendliches Hundeyoga, meint Frauchen.

Dabei schaut sie mir immer zu und lächelt still in ihre Kaffetasse. Vielleicht freut sie sich, dass sie mich hat. Kann ich verstehen.

Wuff

Beim Strecken merkte ich, dass es in meinem Fell so komisch knisterst. Mein Pelz juckte und ich setzte mich hin, und kratzte mich ausgiebig. Dann schmiss ich mich auf den dicken Wollteppich im Wohnzimmer und wälzte mich darauf hin und her. Minutenlang.

Ich hielt die Nase in die Höhe, um zu schnüffeln, ob sich Frauchen schon um Frühstück für mich gekümmert hat. Hatte sie aber noch nicht, sie hatte wie jeden morgen erst einmal ihren Kaffee im Kopf. Also trottete ich zu ihr, um mich in Erinnerung zu bringen.

Sie folgte mir die ganze Zeit mit den Augen, und nippelte nebenbei an ihrer Tasse. Es war bestimmt schon die dritte Füllung, die sie sich einverleibte. Prima, und ich hatte noch nicht einmal eine im Napf, dachte ich, und stellte mich angesäuert auf die Hinterbeine an ihren Sessel.

Plötzlich quiekte sie los.

“BELLA! Du verlierst ja Unmengen an Haaren! Ach nöööööö…” Sie schob mich zur Seite und sich aus der Halbwaagerechten.

“Bella, kannst du dein Winterfell nicht behalten?” motzte sie mich an.”Alles voller Haare!!”

Ach das war das Knistern und jucken, dachte ich. Es geht also wieder los, Fellwechsel.

Ich kratzte mir verlegen eine immer noch juckende Stelle, als Frauchen zu kichern anfing.

“Wenn du weiter so machst, hast du bald eine Glatze!”

Hä?

Glatze? Ich?

Erschrocken sah ich unter mich. Der ganze Boden war voll mit weißen Härchen . Ich war geschockt, und sah mich schon als Nackthund, nur mit ein paar lächerlichen Fellbüscheln und von Frauchen in affigen Farben bestrickt im Garten rumrennen.

…….

 

 

 

Yoga

Frauchen ihr neues Hobby ist Yoga. Einmal in der Woche zieht sie bequeme Sachen an, schnappt sich eine flauschige Matte und verschwindet zu ihrer Yogagruppe.

Wenn sie dann nach zwei Stunden wiederkommt, ist sie ziemlich aufgedreht, und zeigt Herrchen, der dabei bequem auf dem Sofa lümmelt, was sie alles für Verrenkungen kann.

Dann lässt sie sich von ihm bewundern, wobei er mir zwischen den ganzen “Oooh” und ” Ahhh” Rufen immer wieder verschwörerisch zuzwinkert. Ich weiß schon, was er meint. Er denkt bestimmt das gleiche wie ich. Aus Frauchen wird nie ein Schwan, da kann sie sich noch so toll verbiegen.

Ich hab dann einmal spaßeshalber mitgemacht.

Den nach unten schauenden Hund bekomm ich fast hin.

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Frauchen meinte, ich solle dabei auch nach unten schauen, und lachte. Dann machte sie es mir vor, und wie dann wir beide so dastanden, den Po in die Höhe und den Kopf nach unten, kam der Pimpf rein, schüttelte den Kopf und bewegte die Hand vor der Stirn hin und her.

“Ich kann den Scheibenwischer..”  kicherte er und verschwand wieder.

Versteh ich nicht.

Wuff

Fake zwei

Aber jetzt durfte ich..

Ich buddelte und buddelte. Immer wieder forderte mich Frauchen auf, nach der Maus zu graben. Es machte mich schon stutzig, dass es gar nicht nach Maus roch, aber vielleicht verstopfte ja ein Erdkrümel meine empfindliche Nase.

Die Umstehenden feuerten mich an, trieben mich zu Buddelspitzenleistungen bis meine Pfoten glühten.

Hechelhechelhechel..

Nach einer Weile sah ich auf. Ich war groggy.

Es roch immer noch nicht nach Maus, dafür neigte sich die Wurzel jetzt gefährlich Richtung Buddelloch, und drohte in die Grube zu kippen.

Die Umstehenden applaudierten, und Frauchen zog eine dicke Kaustange aus der Tasche.

“He, Kleine, du hast die Wurzel freigelegt! Komm, als Ersatz für die Maus.” Mit diesen Worten schob sie mir die Kaustange ins Schnäuzchen und nahm mich auf den Arm.

Sie trug mich wieder rein, packte mich in meine Box und strahlte mich an.

“Ich hab mit denen gewettet, dass du die Wurzel lose bekommst. Tschaka! Du hast es geschafft!”

Sie hat mich also zum Buddeln benutzt…dachte ich, als ich die Stange vertilgte. Die Maus war nur ein Fake.

Und als ich ein paar Minuten später selig einschlief……..da träumte ich davon, einen Baum ausbuddeln zu müssen, und dafür einen ganzen Sack Kaustangen zu bekommen. Die mit Huhn dran..

Wuff

Warten

Also, Frauchen, wenn du schon keine Zeit hast, meinen Blog weiterzuschreiben, könntest du wenigstens Frühstück machen…

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Fake

Heute fühl ich mich so benutzt.

Herrchen, Frauchen und der Rest der Hausgemeinschaft haben heute den Vorgarten vor dem Haus in Ordnung gebracht.

Erst durfte ich nicht mit vor die Tür. Frauchen verdrehte die Augen und sagte, dass es ihr zu stressig mit mir wäre.

Also lag ich dann auf dem Sofa. War ja keiner da, der’s gesehen hat und schimpfen konnte. Es war ein recht gemütlicher Nachmittag für mich. Ich vertrieb mir die Zeit damit, ein bisschen auf der Ecke vom Sofakissen rumzunagen, zerrupfte die Zeitung und arbeitete meine Haare in Frauchens Lieblingsdecke ein.

Dann kam Frauchen rein, grinste mich an-sie hatte das Kissen und so noch nicht gesehen- und legte mir die Leine um.

Raus!

Freu…Hechelhechelhechel

Vor der Tür standen die Anderen und sahen mich erwartungsvoll an.

“Na, ob der das hinkriegt?” hörte ich mit einem Ohr, aber ich achtete nicht weiter drauf.

Frauchen setzte mich auf das Beet und zeigte unter eine Wurzel, die halb aus der Erde hin.

“Bella, wo ist die Maus? Such!”

WAS.? SUCHEN? MAUS?

Aber gern doch!

Ich begann zu graben, die Erde flog nur so hinter meinen Beinen hervor. Hechelhechelhechel ….

Da stützte ich. Hä? Roch gar nicht nach Maus! Irritiert sah ich zu Frauchen. Die zeigte auf das Loch und sagte ” Bella, such die Maus, komm!”

Also begann ich wieder zu buddeln. Wenn ich schon mal aufgefordert werde.. Im Garten macht sie immer ein großes Tamtam, wenn ich mal tiefer in die Erde schauen will…..

Sofa

Hatte ich doch neulich die Diskussion mit Herrchen, bei der es am Ende um die Frage ging, ob ich aufs Sofa darf.

Wir haben das ausdiskutiert, vorerst, und so sieht leider das Ergebnis aus . Wie gesagt, vorerst, liebe Leute, vorerst. Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen …..

Wuff.

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90er Tag

Ich glaub ich bleib heute in meiner Box. Aber echt.

Heute ist im Radio der 90er Tag, heißt, es wird Musik aus der Zeit gespielt, als Herrchen und Frauchen noch jung und knackig waren. Zumindest haben sie gesagt, dass sie mal jung und knackig waren.

Der Pimpf hat sich darüber köstlich amüsiert, und hat mir leise ins Ohr geflüstert “Gar nicht wahr, die waren schon immer so alt!”

Das brachte ihm einen leichten Nackenschlag von Frauchen ein, woraufhin er sich kichernd in sein Zimmer verzog.

Nur ich konnte nicht fliehen, und legte mich erst einmal in den Sessel zum Schlafen.

Frauchen drehte das Radio auf und zog Herrchen vom Sofa. Sie kicherten beide, und ich machte große Augen. Herrchen kann nicht so gut laufen, vor allem das Gleichgewicht ist wohl seit Urzeiten außer Betrieb, weswegen er auch einen Stock nimmt.

Aber Frauchen reichte ihm keinen, stattdessen nahm sie ihn in den Arm und sie zogen durch die Küche. Sie wackelte mit dem Po, er mit der Hüfte und mit dem Kopf. Dazu sangen sie laut und schräg ” Männer sind Schweine…..” und “Heho Captain Jack….” . Ich legte die Pfoten über die Ohren.

Bei “Die da?” klatschten sie in die Hände und schnippten mit den Fingern. Herrchen konnte aber nur eins, sich an Frauchen festhalten oder schnippen. Er schwankte bedrohlich.

So langsam wurde es mir zu bunt.

Dann kam “Cotton Eye Joe” . Begistert forderte Frauchen Herrchen auf, schneller zu machen. Sie versuchte, ihn herumzudrehen, was bei jemanden ohne Gleichgewicht aber nicht geht, wie sie dann feststellen musste.

Er wollte sich scheinbar die Blöße nicht geben und gab sich sichtbar Mühe. Sie fasste ihn hüpfend um die Taille, während ihr ganzer Körper in Bewegung war. Das war zuviel für ihn. Mit einer Aufwärtsbewegung ihrer Oberweite, gleichzeitigem Hinterwackeln nach rechts und drehen um die eigene Achse schlangen sich seine Beine umeinander und er fiel in Zeitlupe mit ihr auf den Sessel, aus dem ich mich nur mit einem Rettungssprung über die Rücklehne retten konnte.

Ich sprang in meine Box, und zog mit meinen Krallen die Tür hinter mir zu .

Ich bleib heute hier.

Wuff