Fellwechsel II

Ich beobachtete gestern meinen Haarausfall. Auch wenn es noch so sehr juckte, ich vermied es, mich zu kratzen oder auf dem Teppich zu wälzen.

Meine Angst vor einer Glatze wurde noch durch Frauchens Kommentare untermauert. Wie üblich machte es ihr Spaß, mich zu ärgern. So legte sie mir zum Beispiel demonstrativ das Strickzeug vor die Nase, mit dem Hinweis, ich solle mir schon einmal eine Farbe für mein neues Fell aussuchen. Sie meinte, sie kann mir auch eins filzen, was ich aber ebenfalls dankend ablehnte – ich kenne Herrchens handgefilzte Hausschuhe. So einen Flohfeudel will ich nicht.

Da lauf ich doch eher nackt, echt.

Die Idee, mir ihre Lieblingsbluse zu geben, kam Frauchen mal wieder nicht. Obwohl ich fand, das das Muster mir besonders gut steht.

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Wuff

Langsam begann es unerträglich zu jucken, ich versuchte zu schlafen und es einfach auszublenden, aber es funktionierte nicht.

Wenn ich eindöste, träumte ich von Massagebürsten, die mir alle losen Haare wegschubberten, von herrlich hohen Wollteppichen, auf denen ich mich grunzend wälzen konnte, und von klaren kühlen Wasserfällen, die meinem Juckreiz den Garaus machen.

Leider sah ich mich am Ende der Träume immer nackt, nur mit zwei Haarbüscheln an den Haaren. Innen und außen.

Dann wurde ich wach, und besah mich erst einmal panisch.

Im Schlafzimmer , da wo die verbotenen Betten standen, war ein Spiegel, in dem auch ich mich betrachten konnte. Was ich auch stundenlang tat.

Ich sah bis jetzt keine haarlosen Stellen, so sehr ich mich auch wendete und drehte.

……..

Fellwechsel

Heute morgen bin ich aufgewacht und reckte und streckte mich. Das ist mein persönliches morgendliches Hundeyoga, meint Frauchen.

Dabei schaut sie mir immer zu und lächelt still in ihre Kaffetasse. Vielleicht freut sie sich, dass sie mich hat. Kann ich verstehen.

Wuff

Beim Strecken merkte ich, dass es in meinem Fell so komisch knisterst. Mein Pelz juckte und ich setzte mich hin, und kratzte mich ausgiebig. Dann schmiss ich mich auf den dicken Wollteppich im Wohnzimmer und wälzte mich darauf hin und her. Minutenlang.

Ich hielt die Nase in die Höhe, um zu schnüffeln, ob sich Frauchen schon um Frühstück für mich gekümmert hat. Hatte sie aber noch nicht, sie hatte wie jeden morgen erst einmal ihren Kaffee im Kopf. Also trottete ich zu ihr, um mich in Erinnerung zu bringen.

Sie folgte mir die ganze Zeit mit den Augen, und nippelte nebenbei an ihrer Tasse. Es war bestimmt schon die dritte Füllung, die sie sich einverleibte. Prima, und ich hatte noch nicht einmal eine im Napf, dachte ich, und stellte mich angesäuert auf die Hinterbeine an ihren Sessel.

Plötzlich quiekte sie los.

“BELLA! Du verlierst ja Unmengen an Haaren! Ach nöööööö…” Sie schob mich zur Seite und sich aus der Halbwaagerechten.

“Bella, kannst du dein Winterfell nicht behalten?” motzte sie mich an.”Alles voller Haare!!”

Ach das war das Knistern und jucken, dachte ich. Es geht also wieder los, Fellwechsel.

Ich kratzte mir verlegen eine immer noch juckende Stelle, als Frauchen zu kichern anfing.

“Wenn du weiter so machst, hast du bald eine Glatze!”

Hä?

Glatze? Ich?

Erschrocken sah ich unter mich. Der ganze Boden war voll mit weißen Härchen . Ich war geschockt, und sah mich schon als Nackthund, nur mit ein paar lächerlichen Fellbüscheln und von Frauchen in affigen Farben bestrickt im Garten rumrennen.

…….

 

 

 

Yoga

Frauchen ihr neues Hobby ist Yoga. Einmal in der Woche zieht sie bequeme Sachen an, schnappt sich eine flauschige Matte und verschwindet zu ihrer Yogagruppe.

Wenn sie dann nach zwei Stunden wiederkommt, ist sie ziemlich aufgedreht, und zeigt Herrchen, der dabei bequem auf dem Sofa lümmelt, was sie alles für Verrenkungen kann.

Dann lässt sie sich von ihm bewundern, wobei er mir zwischen den ganzen “Oooh” und ” Ahhh” Rufen immer wieder verschwörerisch zuzwinkert. Ich weiß schon, was er meint. Er denkt bestimmt das gleiche wie ich. Aus Frauchen wird nie ein Schwan, da kann sie sich noch so toll verbiegen.

Ich hab dann einmal spaßeshalber mitgemacht.

Den nach unten schauenden Hund bekomm ich fast hin.

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Frauchen meinte, ich solle dabei auch nach unten schauen, und lachte. Dann machte sie es mir vor, und wie dann wir beide so dastanden, den Po in die Höhe und den Kopf nach unten, kam der Pimpf rein, schüttelte den Kopf und bewegte die Hand vor der Stirn hin und her.

“Ich kann den Scheibenwischer..”  kicherte er und verschwand wieder.

Versteh ich nicht.

Wuff

Fake zwei

Aber jetzt durfte ich..

Ich buddelte und buddelte. Immer wieder forderte mich Frauchen auf, nach der Maus zu graben. Es machte mich schon stutzig, dass es gar nicht nach Maus roch, aber vielleicht verstopfte ja ein Erdkrümel meine empfindliche Nase.

Die Umstehenden feuerten mich an, trieben mich zu Buddelspitzenleistungen bis meine Pfoten glühten.

Hechelhechelhechel..

Nach einer Weile sah ich auf. Ich war groggy.

Es roch immer noch nicht nach Maus, dafür neigte sich die Wurzel jetzt gefährlich Richtung Buddelloch, und drohte in die Grube zu kippen.

Die Umstehenden applaudierten, und Frauchen zog eine dicke Kaustange aus der Tasche.

“He, Kleine, du hast die Wurzel freigelegt! Komm, als Ersatz für die Maus.” Mit diesen Worten schob sie mir die Kaustange ins Schnäuzchen und nahm mich auf den Arm.

Sie trug mich wieder rein, packte mich in meine Box und strahlte mich an.

“Ich hab mit denen gewettet, dass du die Wurzel lose bekommst. Tschaka! Du hast es geschafft!”

Sie hat mich also zum Buddeln benutzt…dachte ich, als ich die Stange vertilgte. Die Maus war nur ein Fake.

Und als ich ein paar Minuten später selig einschlief……..da träumte ich davon, einen Baum ausbuddeln zu müssen, und dafür einen ganzen Sack Kaustangen zu bekommen. Die mit Huhn dran..

Wuff

Warten

Also, Frauchen, wenn du schon keine Zeit hast, meinen Blog weiterzuschreiben, könntest du wenigstens Frühstück machen…

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Fake

Heute fühl ich mich so benutzt.

Herrchen, Frauchen und der Rest der Hausgemeinschaft haben heute den Vorgarten vor dem Haus in Ordnung gebracht.

Erst durfte ich nicht mit vor die Tür. Frauchen verdrehte die Augen und sagte, dass es ihr zu stressig mit mir wäre.

Also lag ich dann auf dem Sofa. War ja keiner da, der’s gesehen hat und schimpfen konnte. Es war ein recht gemütlicher Nachmittag für mich. Ich vertrieb mir die Zeit damit, ein bisschen auf der Ecke vom Sofakissen rumzunagen, zerrupfte die Zeitung und arbeitete meine Haare in Frauchens Lieblingsdecke ein.

Dann kam Frauchen rein, grinste mich an-sie hatte das Kissen und so noch nicht gesehen- und legte mir die Leine um.

Raus!

Freu…Hechelhechelhechel

Vor der Tür standen die Anderen und sahen mich erwartungsvoll an.

“Na, ob der das hinkriegt?” hörte ich mit einem Ohr, aber ich achtete nicht weiter drauf.

Frauchen setzte mich auf das Beet und zeigte unter eine Wurzel, die halb aus der Erde hin.

“Bella, wo ist die Maus? Such!”

WAS.? SUCHEN? MAUS?

Aber gern doch!

Ich begann zu graben, die Erde flog nur so hinter meinen Beinen hervor. Hechelhechelhechel ….

Da stützte ich. Hä? Roch gar nicht nach Maus! Irritiert sah ich zu Frauchen. Die zeigte auf das Loch und sagte ” Bella, such die Maus, komm!”

Also begann ich wieder zu buddeln. Wenn ich schon mal aufgefordert werde.. Im Garten macht sie immer ein großes Tamtam, wenn ich mal tiefer in die Erde schauen will…..

Sofa

Hatte ich doch neulich die Diskussion mit Herrchen, bei der es am Ende um die Frage ging, ob ich aufs Sofa darf.

Wir haben das ausdiskutiert, vorerst, und so sieht leider das Ergebnis aus . Wie gesagt, vorerst, liebe Leute, vorerst. Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen …..

Wuff.

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90er Tag

Ich glaub ich bleib heute in meiner Box. Aber echt.

Heute ist im Radio der 90er Tag, heißt, es wird Musik aus der Zeit gespielt, als Herrchen und Frauchen noch jung und knackig waren. Zumindest haben sie gesagt, dass sie mal jung und knackig waren.

Der Pimpf hat sich darüber köstlich amüsiert, und hat mir leise ins Ohr geflüstert “Gar nicht wahr, die waren schon immer so alt!”

Das brachte ihm einen leichten Nackenschlag von Frauchen ein, woraufhin er sich kichernd in sein Zimmer verzog.

Nur ich konnte nicht fliehen, und legte mich erst einmal in den Sessel zum Schlafen.

Frauchen drehte das Radio auf und zog Herrchen vom Sofa. Sie kicherten beide, und ich machte große Augen. Herrchen kann nicht so gut laufen, vor allem das Gleichgewicht ist wohl seit Urzeiten außer Betrieb, weswegen er auch einen Stock nimmt.

Aber Frauchen reichte ihm keinen, stattdessen nahm sie ihn in den Arm und sie zogen durch die Küche. Sie wackelte mit dem Po, er mit der Hüfte und mit dem Kopf. Dazu sangen sie laut und schräg ” Männer sind Schweine…..” und “Heho Captain Jack….” . Ich legte die Pfoten über die Ohren.

Bei “Die da?” klatschten sie in die Hände und schnippten mit den Fingern. Herrchen konnte aber nur eins, sich an Frauchen festhalten oder schnippen. Er schwankte bedrohlich.

So langsam wurde es mir zu bunt.

Dann kam “Cotton Eye Joe” . Begistert forderte Frauchen Herrchen auf, schneller zu machen. Sie versuchte, ihn herumzudrehen, was bei jemanden ohne Gleichgewicht aber nicht geht, wie sie dann feststellen musste.

Er wollte sich scheinbar die Blöße nicht geben und gab sich sichtbar Mühe. Sie fasste ihn hüpfend um die Taille, während ihr ganzer Körper in Bewegung war. Das war zuviel für ihn. Mit einer Aufwärtsbewegung ihrer Oberweite, gleichzeitigem Hinterwackeln nach rechts und drehen um die eigene Achse schlangen sich seine Beine umeinander und er fiel in Zeitlupe mit ihr auf den Sessel, aus dem ich mich nur mit einem Rettungssprung über die Rücklehne retten konnte.

Ich sprang in meine Box, und zog mit meinen Krallen die Tür hinter mir zu .

Ich bleib heute hier.

Wuff

 

 

Kratzspuren 2

Nun bin ich soweit.

Frauchen sagt, jetzt bin ich einigermaßen wohngebietstauglich geworden. Ihre Masche, stehenzubleiben wenn ich mich in meinen Brustgurt schmeiße und losrennen will, hatte Erfolg. Zwar ist es noch ein mäßiger Erfolg, aber sie arbeitet leider weiter daran. Ich sage leider, weil es mir gelinde gesagt, gegen den Strich geht, mich fügen zu müssen. Denn ich seh das immer noch nicht ein, dass ich nicht mehr der Boss bin und sie dagegen die Chefin raushängen lässt.

Aber es klappt doch gut, ich zieh nicht mehr wie blöd, sagt Frauchen, so kann sie entspannter mit mir laufen und ich kann immer ein Auge auf ihrer Tasche haben, weil sie da immer mal was feines für mich rausholt.

Das andere haben wir nun auch ausgiebig beobachtet.

Die Herrchen und Frauchen von den anderen Hunden mögen das anscheinend gar nicht, wenn ich mich lautstark mit ihren Felltierchen unterhalte. Frauchen mag das auch nicht, sagt sie.

Deshalb hat sie mal wieder Rücksprache mit der Hundetrainerin genommen, und mein (Wieso mein ???) Problem erklärt.

Sie fing an, mir zu Hause wieder Leckerchen vor die Nase zu halten, er schnalzte sie leise mit der Zunge, dann bekam ich ein Leckerchen.

Konditionierung nannte sie das.

Wuff.

Das ist so, wenn Freitag Abend Herrchen von der Arbeit kommt und mit dem Autoschlüssel klappert. Dann fangen Frauchen und der Pimpf an zu sabbern, weil sie wissen, es gibt heute Abend Pizza. Mal fahren sie hin, mal kommt die Pizza her.

Genauso wurde ich auf ihre Leckerchen konditioniert.

Schnalzte sie mit der Zunge, wusste ich-Leckerchen sind im Anmarsch.

Das freut den Russel.

………

Fernbedienung

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“Sag mal Bella, hast du die Fernbedienung gesehen?”

” Ich??? Niemals. War das eventuell das schwarze Ding mit den kleinen Gumminoppen, die so scheußlich geschmeckt haben? ”

“WAAAAS???? Bella du hast jetzt nicht im Ernst die Fernbedienung zerlegt, oder?”

” Wie kommst du denn da drauf…..pfhhhh…als ob ich…also ehrlich….Frauchen hat gesagt, du hast noch ein paar im Keller. Kannst ja mal gucken und mir gleich Futter mitbringen.”

“Viech! Du kommst in die Pfanne….oder auf den Grill….oder…”

“Aufs Sofa?”

 

 

Kratzspuren

So ging das ein paar Tage lang, ach was sag ich, Wochen ging das so.

Ich begann zu zerren, Frauchen blieb stehen, dann trickste ich sie aus und es lief bei uns. Heißt, wir liefen ganz gemütlich nebeneinander her.

Meistens.

Denn irgendwann hab ich doch festgestellt, dass sie es war, die MICH ausgetrickst hat. Eigentlich dachte ich, dass ich die Klügere von uns beiden bin, aber ich hatte Frauchen, wie schon so oft, unterschätzt.

So fügte ich mich. Fast immer lief ich nun neben und nicht mehr vor ihr. Wenn ich begann zu ziehen, blieb sie immer noch eiskalt stehen, und ließ mich Kratzspuren in den Asphalt ziehen, so sehr bemühte ich mich weiterzukommen. Sie ging dann nicht weiter, egal was ich tat, sie blieb standhaft. Selbst die Stellen, die ich beschnüffeln wollte, ließ sie mich erst untersuchen, wenn ich mich ordentlich benahm. Sonst müsste ich weiterlaufen.

Aber damit nicht genug.

Sie schien der Ehrgeiz gepackt zu haben. Wahrscheinlich hat sie mein Tagebuch gelesen, und sich überlegt, dass sie beweisen muss. dass man einen Jack Russel doch erziehen kann.

Das Ärmelaufkrempeln, wenn ich einem Artgenossen begegne, gehört ja auch zu meiner Lieblinsbeschäftigung.

Wir wohnen nun schon ein paar Monate hier, und ich hab mittlerweile schon einen ziemlich schlechten Ruf bei den Hunden und deren Leinenänhängsel, also den Herrchen oder Frauchen.

Es fiel mir und Frauchen auf, als wir auf einer Gassirunde, die ich notgedrungen neben ihr absolvieren musste, anderen Hunden begegnet sind, und diese schon hundert Meter vor mir die Straßenseite gewechselt haben. Oder in eine Nebengasse eingebogen sind, diese Feiglinge.

Ich kam gar nicht mehr dazu, die richtig anzumachen und zu verbellen. Sie waren weg.

Erst dachten wir, das ist Zufall, und beobachteten das genauer.

……