Ausgetrickst

Ich wurde schon gefragt, was ich die letzte Woche so gemacht habe, weil ich gar nicht geschrieben hab.

Nun, ich habe gelernt. Ja, ich habe wirklich gelernt, und das war ziemlich anstrengend.

Es ist ja so, wir Hunde sind dazu da, vorweg zu gehen.

Immerhin schnüffeln wir uns voran, geben das Tempo an und ziehen Herchen oder Frauchen durch die Gegend. Das können wir gut, das machen wir auch ganz gern.

Ich habe es auch gemacht. Frauchen hinterhergezogen, jahrelang. Sicher hatte ich schon Hornhaut unter dem Geschirr, denn wer mein Frauchen kennt, weiß, dass es ganz schön schwer ist, sie zu ziehen.

Aber das ist nun anders.

Zwangsweise.

Es fing damit an, dass sie die Nase voll hatte, wie sie sagte. Sie hatte keine Lust mehr, sich von mir den Arm langziehen zu lassen, meinte sie, und erinnerte sich bedauerlicherweise an den Rat von einer klugen Dame aus der Hundeschule.

Sie machte uns beide fertig zum Ründchen, ich zappelte und zerrte in Russelmanier und freute mich schon darauf. Auf der Strasse wollte ich fix wie immer erst einmal ohne Rücksicht auf Frauchen losrennen.

Ich schmiss mich also ins Geschirr, machte zwei Schritte und…hing fest. Frauchen stand wie ein Baum festgewurzelt auf der Straße. Hä?

Sie sah mich nicht an, blickte geradeaus und wartete.

Verunsichert sah ich sie an, zog und zerrte an der Leine, jieperte und wollte vorwärts.

Sie rührte sich nicht.

Ich zog mit aller Kraft, und hinterließ bestimmt schon Kratzspuren auf der Straße.

Sie blieb stehen. Obwohl ich sie schon zum Wanken gebracht habe, Hehe!

Ob sie krank ist?

Irritiert lief ich ein paar Schritte rückwärts.

Da setzte sie sich wieder in Bewegung.

Hä? Was soll das?

Ich wolllte nun endlich los und zerrte wieder. Da blieb sie wieder stehen.

Nach einer gefühlten Ewigkeit lief ich wieder zu ihr. Sie ging weiter.

Ich rannte los, sie blieb stehen, ich lief zu ihr zurück, sie lief mit mir weiter, ich rannte los, sie blieb stehen…..

Wir waren nun schon eine Weile unterwegs, und immer noch nicht an meiner Lieblingsgassistelle angekommen. Obwohl diese nur 50 m von unserer Tür entfernt ist. Wenn das so weitergeht, dachte ich mir, mach ich mir gleich ins Fell.

Also dachte ich mir, ich überliste sie mal, mal schauen, was sie macht, wenn ich einfach nicht vorwegrenne.

Ich trippelte wieder zurück, sie setzte sich daraufhin schwungvoll in Bewegung, wartete aber merklich darauf, wieder stehenbleiben zu müssen.

Ausgetrickst!

Ich sprang gar nicht vor, sondern lief neben ihr. Also nicht richtig neben ihr, das wäre zuviel, aber doch so, dass sie nicht stehenblieb.

Gut, dass sie mein triumphierendes Grinsen nicht sah.

Wuff

Morgen mehr….