Platzreservierung

Heute hab ich keine Lust zum Schreiben. Es scheint die Sonne und ich liege auf dem Teppich und döse.

Frauchen ist wieder da, und ich hab ihr über die Schulter geschaut, als sie gestern ihrer Freundin eine mail geschrieben hat.

Sie schrieb:

“………

Am Samstag bin ich zu meiner Mama nach Hannover gefahren. Genauer gesagt, in einen kleinen Ort bei Hannover.
Göga buchte die Fahrkarte wie immer im Internet und los gings.
Platzreservierung hatte er vergessen, das holte er aber noch vor dem Losfahren zum Bahnhof nach.
Auch für die Rückfahrt, logisch, Frau will ja nicht stehen.
Also Samstag hin, die üblichen Verspätungen welche mir eine halbe Stunde mehr Aufenthalt in Hannover bescherten, egal.
Heute zurück.
Göga schickte mir noch die Platzreservierung aufs Handy, ich kurz draufgeschaut, ab in den ICE.
Platz besetzt.

Hm.
Der Platz war von Berlin bis Hamm reserviert. Von der daraufsitzenden leicht fülligen Dame, die mir daraufhin erklärte, das dies IHR Platz sei, den sie reserviert hat und auch BEZAHLT habe, und ich somit dort jedenfalls nicht sitzen dürfte. Als Beweis, und um ihr Wort- und gestenreich dargestelltes Anrecht auf ebendiesen Sitzplatz zu untermauern,hielt sie mir ihre Reservierung unter die Nase.
Langsam begann ich an mir und der Gerchtigkeit zu zweifeln, und zog mich schmollend in eine halbbesetzte Sitzbank zurück, in der ein Herr älteren Semesters nach einer Weile begann, mir Frikadellen an meine behosten Beine zu labern.
Und zu allem Überfluss kam er mit jedem Kilometer, der sich der ICE meine Heimatbahnhof näherte ebenfalls näher.
Ich schielte noch einmal unauffällig auf die Reservierung im Handy, und begann, Mordsgedanken zu schmieden.
Mein Mann hatte wohl für den falschen Zug reserviert.
Am Bahnhof stieg ich erleichtert aus, den Kopf schon ob des erwarteten bevorstehenden Wutausbruches meinerseits leicht gerötet, die Ärmel bereits hochgekrempelt und kurz vor dem Siedepunkt.
Keiner wartete auf mich.
Es war kalt, ich fror wie Hund und die Frikadellen am Knie begannen, Gefrierbrand zu bekommen.
10 min später war immer noch keiner da.
Ich rief an, fragte ganz lieblich wo er denn bliebe, mein Chauffeur und Ehemann.
“Hä? ” lautete die erstaunte Antwort ” Du bist eine Stunde zu früh! ”
Ich schaute auf meine Fahrkarte, dann auf die Uhr, auf die Reservierung….Wääääägs

Meine Wut löste sich in Luft auf. Ich hätte mich in den Hintern beißen können.

Ich bin also eine Stunde zu früh losgefahren. Und keiner der Kontrolleure hats gemerkt.

………”

Ja, was soll ich dazu sagen. Mein Frauchen halt.

Wuff