Schwanzhaare

Jetzt bin ich ja eine ganze Weile nicht zum Schreiben gekommen. Hier ist einiges los gewesen.

Samstag hab ich es endlich mal geschafft, mit dem frechen Nachbarshund ein ernstes Wörtchen zu sprechen.

Also, genauer gesagt, wir haben ein bischen gekämpft. Nicht so sehr, dass einer von uns verletzt gewesen ist, aber ein paar Haare haben wir beide gelassen.  Ich war mit Herrchen und dem Pimpf draußen, fast schon wieder zu Hause, da schoss der aus seinem Garten und fiel mich an. Glücklicherweise kenn ich ja einen Trick, wie ich im Schnellverfahren aus meinem Gurt komme.

Einmal kurz nach hinten ziehen, Pfötchen und Kopf durch und ich war frei.

Er war wie gesagt leider  auch frei. Aber so waren die Chancen gerecht verteilt.

Wir rannten umeinander, übereinander, kläfften, jaulten, verbissen uns ins Fell und  ich ihn in den Schwanz. In dem Moment hab ich den Vorteil eines kurzen Stummelschwänzchens erkannt. An meinen kam er nicht ran. Hehe!

Herrchen brüllte mich an und stapfte mit seiner Stütze, das Herrchen vom Gegner schimpfte und Frauchen hörte das Gekreisch bis ins Wohnzimmer.

Also stand sie dann plötzlich mit Puschen auf der Straße, fing mich ein, schnappte mich, also sie löste mich vom Schwanz meines Gegners und machte mir die Leine wortlos ans Halsband.

Dann führte sie mich ab. Wie einen Gangster.

Vor Wut und Erregung zitterte ich, seine ausgezupften Schwanzhaare hingen mir noch aus dem Schnäuzchen. Ich schaffte es noch, einen drohenden Blick in seine Richtung zu werfen und die Pfote zu ballen.

Wir sahen uns kurz in die Augen.

Genauso wie ich war er hilflos  gefangen im Arm des Gesetzes.

Auch er ballte die Pfote.

Warte nur, dachten wir beide.

Das letzte Wau ist noch nicht gesprochen.