Grundsatzdiskussion

Freitag Abend, es war schon dunkel, wollte Frauchen mit mir um die Häuser ziehen.

Sie sagt immer, früher hätte das eine andere Bedeutung gehabt, aber leider wird sie auch älter. Da muss man dann kleiner Brötchen backen und sich beim “umdiehäuserziehen” auf den an der Leine hängenden Köter beschränken. Ich weiß, dass sie den Begriff Köter niemals abschätzig oder beleidigend einsetzen würde. Ich bin ihr Köter. Punkt.

Aber kommen wir zum Anfang zurück.

Wir zogen also los.

Die kleinen Hundenachbarn waren auch gerade draußen , sie unterhielten sich angeregt und laut mit einem anderen Hund, der eben hier vorbeilief.

Und ich schaltete mich ein. Heißt, ich kläffte mit.

Da ich mich mit den Hundenachbarn überhaupt nicht verstehe, aber auch nicht unbedingt mit dem Hund, der gerade vorbeilief, war es etwas schwierig .

Frauchen meckerte rum, und versuchte mich unauffällig um die andere, noch von Hunden unbesetzte Häuserecke zu bekommen.

Aber ich konnte es nicht lassen, mich weiterhin mit den beiden zu bekläffen. Wie gesagt, wir sind uns nicht grün.

Wir waren gerade um die Ecke, als sich der eine Hund vom Halsband losriss und hinter mir hergeschossen kam. Er wollte die Sache wohl im Vieraugen-Gespräch klären.

Ich krempelte fix meine Ärmel hoch und wollte ebenfalls los. Zur Grundsatzdiskussion .

Frauchen war schneller. Sie packte mich am Schlafittchen und hielt mich hoch, gerade noch außer Reichweite des anderen Hundes. Ich wollte ihr Eingreifen nicht so ohne weiteres akzeptieren, nicht dass es heißt, ich brauche einen Beschützer.

Also versuchte ich mich loszubeißen.

Da passierte es. Plötzlich war Frauchens Arm zwischen meinen beißenden Zähnen. Meine Reißzähne bohrten sich hinein, ich konnte es nicht verhindern. Sie gingen durch wie Butter. Nix mit alt, dachte ich noch.

Sie sagte keinen Mucks, hielt mich tapfer hoch. Das Herrchen des anderen Hundes kam angehechelt und versuchte, den kleinen einzufangen. Er wand sich so wie ich, mit dem Unterschied dass er nicht eingefangen werden wollte, und ich eingefangen war.

Letztendlich wurde er angeleint und ich herabgelassen.

Frauchen lief mit mir nur unter die nächste Laterne und besah sich ihren Arm. Sie stieß einen unflätigen Fluch aus und die Gassirunde wurde von ihr abgeblasen.

Sie brachte mich nach Hause und meinte zu Herrchen lapidar “Wir müssen mal zu Doc. ” und hielt ihren tropfenden Arm hin. Dann erklärte sie die ganze Sache.

Ich wollte am liebsten vor Scham im Erdboden verschwinden, aber es ging nicht. So setzte ich mich neben sie und leckte ihre Füße, während sie sich ein Pflaster aufklebte und wartete, dass Herrchen sich anzog.

Den Rest erzähl ich euch morgen.