Rudolf

Frauchen ist krank.

Heute morgen, als der Pimpf in die Schule und Herrchen auf Arbeit musste, schaute sie nur kurz zu uns rein. Die Augen verquollen, blass und krächzend.

Sie schaffte es noch, mir Futter in den Napf zu tun und die Beiden zu verabschieden. Dann verabschiedete sie sich wieder ins Bett, wie sie mir sagte.

Als sie aufstand, sah sie auch nicht besser aus. Müde schlurfte sie im Nachthemd zur Kaffeemaschine und danach auf die Couch, wo sie sich stöhnend niederließ. Ich versuchte sie zum Spielen zu animieren. Schleppte ihre Hausschuhe in den Flur, trug meine Kauwurzel vor ihre Füße und zog ihr die Wolldecke weg. Aber sie reagierte nicht drauf. Sah mich nur müde an und krächzte “Bella, lass das, ja?”

Hm.

Irgendwann dann zogen wir eine Runde um den Block. Ich merkte, dass sie nicht richtig mitkam und lief langsamer. “Bella, du läufst, als ob du die Handbremse angezogen hast und gleichzeitig Gas gibst!” Sie lachte. Es hörte sich furchtbar an, und sie tat mir mächtig leid.

Ihre Nase war schon ganz rotgeputzt, und ich bin mir sicher, dass sie im Dunkeln leuchten würde.

Zu Hause angekommen spielte sie noch ein wenig mit mir, bevor sie sich wieder auf die Couch legte.

Ich wollte mich aus Solidarität dazulegen. “Bella, du steckst dich an! Geh runter!”

Mir kam das Bild von einem Rentier mit leuchtender Nase in den Kopf, und ich flüchtete. Nicht das ich als Rudolf der kleine Russel ende.

Wuff

Nun warte ich auf Herrchen, der ist heute Abend fällig.