Schick

Am Samstag machte sich dann Frauchen ganz glücklich auf zum Friseur, und verkündete bei rausgehen, dass sie sich auch mal schminken lassen wolle.

Sie war lange weg, und Herrchen trommelte schon mit den Fingern auf der Tischplatte herum. Er sah immerzu auf die Uhr und wartete. Er wollte zum Training, wie er mehrfach verkündete, und Frauchen hatte sein Auto.

Weil es draußen kalt war, und Frauchens Auto keine Sitzheizung hat, hatte sie seins genommen.

Was eine Sitzheizung ist, hat sie mir erklärt. Es ist eine Fußbodenheizung für Autositze, so soll ich mir das vorstellen. Da konnte ich sie verstehen, ich mag auch keine kalten Böden für meinen Russelpo.

Also wartete Herrchen. Und wartete. Und wartete.

Der Tisch hatte sicher schon ein Loch vom Trommeln, als sie endlich um die Ecke gerauscht kam.

Ich hörte den Schlüssel im Schloss und kommentierte das mit freudigem Gebell. Dann ging die Tür auf, ich sah die Schuhe von ihr, die Hose…und verschwand erst einmal unter dem Tisch.

DAS soll mein Frauchen sein?

Die Haare, die sich sonst  in vertrauen blond-gräulich schimmernden Wellen um ihren Kopf schmiegten, waren jetzt von einer Farbe, die meine Auscheidungen haben, wenn ich unter Bauchschmerzen leide.

Also hellgelb…gut…blond.

Ihr Gesicht war gebräunt, die Augenbrauen dunkel angefärbt. Um ihre Augen schimmerte es schwarz und das Grau, was sie sonst auf dem Kopf trägt, trug sie nun auf den Lidern. Dazu sah der Mund sehr rot aus, so als hat sie gerade von meinem BARF Fleisch in der Gefriertruhe genascht. Also recht blutig.

Sie sah insgesamt aus, als wäre sie von Halloween des letzten Jahres übriggeblieben.

Ich erschrak mächtig, und brauchte eine ganze Weile, bis ich mich wieder heraustraute und an ihr schnüffelte.

Doch, sie war es.

Herrchen bekam den Mund auch nicht mehr zu. Er sah sie an, ohne Worte.

“Ja.” sagte er und rieb sich die Augen.”Ja…..ja………” Viel fiel ihm scheinbar nicht ein.

“Gefällts dir?” sie drehte sich neckisch vor ihm und blinkerte ihn mit ihren schwarzgefärbten Wimpern an.

Er blickte hilfesuchend zu mir und stand langsam auf. Dann sah er ihr genauer ins Gesicht. “Doch doch, Schatz, gefällt mir gut. Schick siehst du aus. Toootaaal schick.” Über ihre Schulter hinweg warf er noch einen hilflosen Blick zu mir, dann zog er resigniert die Schultern hoch.

Ich verstand, er brauchte meine Hilfe.

“Mama!…..Was haben sie denn mit dir gemacht?….Du siehst ja aus als würdest du …….. am Bahnhof stehen!” kichernd erschien der Pimpf in der Tür. “Und Geld verdienen ..”schob er hinterher.

Sie sah ihn regungslos an. Wie eine Schlange fixierte sie ihn. Minutenlang.

Er dagegen lachte sich schlapp.

Herrchen rettete die Situation, indem er seinen Junior den Arm über die Schulter legte und erklärte, dass sie jetzt zum Sport fahren. Dann zog er ihn aus der Tür.

“Bella, du meinst es doch ehrlich mit mir. Seh ich gut aus?” eine kleine Träne kullerte ihre Wange herunter.

Ich leckte ihr zustimmend, wie sie meinte,quer über das Gesicht.

“Bäh, Bella, du weißt das ich das nicht mag!” und sie stapfte ins Bad, um sich das Gesicht zu waschen.

Ziel erreicht.

Wuff