Prosecco

Am Freitag war hier bei uns Halligalli.

Frauchen kam vom Einkaufen. Sie erklärte mir, noch in Jacke und Stiefeln, daß sie gleich wieder wegmüsse, sie habe einen Friseurtermin, auf den sie jetzt lange gewartete hab.

Dann begann sie, ihre Tasche auszuräumen.

Sie packte Eier, Käse und Milch aus, und stellte es weg. Dann folgte Brot und mein allerliebstes Lieblings-Hundefutter. Lecker.

Wuff.

Ich sah genau zu, weil manchmal, wenn sie beim Fleischer war, auch für mich etwas in der großen Tüte drin ist. War aber heute nicht.

Mist.

Dann zog sie mit einem versonnenen Lächeln eine große Flasche aus der Tüte. Sie fing förmlich an zu sabbern, so wie ich bei Ansicht eines leckeren Putenhalses.

Sie hielt mir die Flasche vor die Nase.

“Bella, weißt du was das ist? PROSECCO!” ich sah sie verwirrt an. Was ist das für ein Zeug? Ich leckte mir schon einmal das Schnäuzchen, weil ich dachte, das wäre auch was für mich.

“Neeee, Mausi, das ist nix für kleine Köter. Da wirst du dumm im Kopf.” Vertraümt betrachtete sie das Etikett, und ich frage mich, als ich ihren leicht dümmlichen Gesichtsausdruck sah, ob sie schon ein paar Flaschen davon intus hat.

Also stellte ich das Schnäuzchenlecken ein. Dumm wollte ich nicht werden.

Wuff.

“Den gibt es morgen, wir bekommen Besuch.” meinte sie noch, und wollte den Prosecco vorsichtig ins Regal neben meiner Schlafbox stellen.

Aber sie übersah ein winziges Detail.

Meine Kauwurzel.

Gerade als sie den entscheidenen Schritt Richtung Regal machte, rutschte sie unter ihren Fuß. Danach rutschte auch der.

Und danach Frauchen.

Sie verlor das Gleichgewicht, ihr rechter Fuß rutschte auf der Kauwurzel immer weiter nach vorn, was sie in einen Spagat zwang. Wer mein Frauchen kennt, weiß, das sie eigentlich keinen Spagat kann. Dieser also bei ihr unmöglich ist.

Also ruderte sie mit den Armen und wollte sich festhalten.

Die Flasche rutschte ihr in dem Moment aus der Hand, als sie Halt am Küchentisch fand.

Fast in Zeitlupe drehte sich die Flasche noch einmal um dann mit einem klirrenden Geräusch auf meine Schlafbox aufzuschlagen.

Die Splitter stoben in alle Richtungen, der Prosecco schäumte und bildete lustige kleine Springbläschen, die sich geschwind mit den Glassplittern in meiner Box und in der Küche verteilten. Immer wieder perlten kleine Blasen hoch und spritzten auseinander.

Hier war richtig Leben in der Hütte.

Ich versucht die Bläschen zu fangen und merkte dabei, das sie lecker schmeckten. Also schlabberte ich, was meine Zunge hergab.

“BELLA! NEEEIIIN!” sie rappelte sich h0ch, was gar nicht so einfach war, mit Winterjacke und hohen Schuhen.

Aber sie schaffte es und packte mich noch halb im Liegen im Genick.

Sie zog mich von den Scherben und Gluckerbläschen weg, klemmte mich unter den Arm und schaffte es schließlich stöhnend und fluchend mit mir auf die Füße.

Mir wurde langsam schwummerig im Kopf, ich sah Frauchen verschwommen und mein Kopf kam mir vor, als pendele er.

Frauchen stopfte mich in meine kleine Transportbox, in der ich erst einmal umfiel. Irgendwer hatte mir Gummi in die Beine gemacht, ich konnte nicht mehr gerade stehen. So fühlt sich sicher sterben an, aber der Prosecco war lecker, dachte ich noch, bevor ich in einen gnädigen Dämmerschlaf versank.

Wie durch Watte hörte ich , wie Frauchen jammernd die Sauerei beseitigte, den Staubsauger bediente und weinend den Termin absagte.

Vernahm, wie sie meine Schlafbox auseinandernahm, sie auf die Terasse zerrte und abwusch. Dann schimpfend ein Pflaster suchte und dann die Küche wischte.

Leise vor mich hinwinselnd schlief ich komplett ein.

Als ich aufwachte, saß Frauchen neben mir, und versuchte, mich aus der Box zu bekommen. Schliesslich torkelte ich heraus und lief erst einmal vor die Glastür. Dann versuchte ich, meine Augen zu zentrieren und meinen Wassernapf zu finden.

Sie begann zu lachen, ich soff und soff.

“Bella, du bist ja betrunken!  Auweia!”

Sie rief den Tierarzt an. Der schien sie zu beruhigen, er könne jetzt eh nichts mehr machen, sagte er. Immerhin sei ich ja wohl wieder wach und nicht lange weg gewesen. Aber mein Proseccoausflug hätte ins Auge gehen können, sagte er, Alkohol ist nämlich für Hunde tabu und giftig.

Dann hob sie mich auf den Sessel und ich schlief meinen Rausch aus. Nie wieder Alkohol…dachte ich….

Abends hatte ich eine blitzsaubere Schlafbox mit neuem Kissen.

Auch vom Küchenboden hätte man lecken können, so sauber war der.

Und Frauchen war froh, dass mit mir nichts schlimmes passiert ist, und verwöhnte mich mit Leckerchen. Sie hatte wohl auch deshalb so gute Laune, weil sie für Samstag noch einen neuen Termin bekommen hat.

Wuff