Milchaufschäumer

Sonntag hat es geregnet. Ach, was sag ich, geschüttet hat es, wie aus Eimern.Da ich auf dem warmen Fußboden lag, hab ich das gar nicht mitbekommen. Zuerst.

Ich fand irgendwann,dass es Zeit wäre, für einen kleinen oder gern auch großen Spaziergang, setzte mich also vor die Tür und fixierte Frauchen.

Die ignorierte mich. Eiskalt.

Also begann ich leise zu jammern. Erst ganz leise, dann immer lauter, bis ich mich der Lautstärke nach gerade in einen Wolf verwandelte.  In einen kleinen, wie gesagt,noch einen kleinen.

” BELLA ! Aus! Nein, du willst jetzt nicht raus. Du warst vor einer Stunde, du musst jetzt nicht.”

Was? Aber hallo!  Seit wann bestimmt Frauchen, wann ich rausgehe?

Ich wurde lauter, war jetzt sozusagen der Lautstäke einem Leitwolf nicht unähnlich.

Frauchen starrte mich aus ihrer Sofakuhle an, dann sah sie aus dem Fenster. Stöhnend schälte sie sich aus der Decke, schnappte wortlos mich und ihre Schuhe. Zog uns an, also mir nur die Leine, sich eine Jacke und einen Regenmantel, und ging zur Tür, mit mir komischerweise unter dem Arm.

Ihr gehässiges Grinsen hab ich übersehen. Denn noch grinste ich, vor Freude auf eine laaaange Gassirunde.

Sie öffnete die Tür. Ein Wasservorhang pendelte vor dem Dach.

Hä? Die will mich doch jetzt nicht im Ernst vor die Tür schleifen?

Frauchen sagte lapidar “Du wolltest doch unbedingt, raus mit dir.”

Dann zog sie mich mit. Einfach so.

Erst lief ich noch locker an der Leine, versuchte ein paar Mal zurück auf meinen warmen trockenen Fußboden zu kommen, und gab dann auf.

Ergeben trottete ich durch den Regen, das Wasser lief mir oben ins Fell, unten wieder heraus. Zum Glück waren meine Löcher vom Tierarzt wohl alle dicht, wie ich beim vorsichtigen Nachschauen auf meine Rückseite feststellte. Puh.

Die Pfützen waren überall, und so tief, dass ich Angst hatte, unterzugehen. Mir schauderte bei dem Gedanken, jetzt ein große Runde laufen zu müsse. Frauchen machte keine Anstalten, zurückzugehen, sondern im Gegenteil, sie schlug den langen Weg ein.

Ich jaulte kurz auf……und schlich nebenher. Ständig war ich bemüht, mir das Wasser aus dem pitschnassen Fell zu schütteln. Sie lachte nur.

“Bella, du kannst als Milchaufschäumer durchgehen!” sagte sie, als ich aus dem Schütteln nicht mehr herauskam.

Aber dann nahm sie mich hoch, klemmte mich unter den Arm, wickelt mich in mein heimlich mitgenommenes Handtuch ein, legte ein Stück Regenjacke von ihr über meinen nassen, frierenden Körper und trug mich schnell und gewärmt nach Hause.

Manchmal ist doch ganz lieb.

Manchmal.

wuff