Gestellt

Gestern Abend ist Frauchen nur knapp einem Herzinfarkt entkommen, und ich dem sicheren Tod.

Wir gingen spazieren, es war dunkel,nass und kein Mensch oder Köter unterwegs. Ich hatte die Spur des Ferkels aufgenommen, ich wusste mittlerweile, wo er ungefähr wohnte. Deshalb versuchte ich mein Frauchen immer unauffällig dazu zu bewegen, in diese Straße einzubiegen. Klappt aber nicht.

Mist.

Wuff.

Ich also mit der Nase am Boden, Frauchen war ganz in Gedanken versunken. Deshalb konnte ich sie unbemerkt in die besagte Straße ziehen.

Da schoss es um die Ecke. Das Ferkel. Ohne Leine und ohne daranhängendes Herrchen.

Seine Augen waren riesig und leuchteten in der Dunkelheit. Okay, vielleicht kam das auch nur von dem Auto, was ihm entgegenkam.

Es sprang auf mich zu, ich ging sofort auf Angriff. Ich wollte ihm zeigen, wo ein Russel seine Zähne hat. Meine Leine war bis zum letzten mikrometer gespannt.

Er wich zurück, hatte wohl Angst vor mir, der Schisser.

Wir kläfften und bellten was die Stimmbänder hergaben.

Er kam wieder auf mich zu und zeigte mir seine Zähne. Die waren nur geringfügig größer als meine. Glaube ich. ……..

Ich wählte die sichere Deckung hinter Frauchens Beinen.

Wuffwuffwuff kreisch wuffwuffwuff ..

hechelhechelhechel….

Frauchen wuchs über sich hinaus, sie stellte sich vor mich, plusterte sich gaaanz groß und dick auf und schrie das Ferkel an. “Hau ab! Verschwinde!”

Ich roch genau, dass sie Angst hatte.

Vorsichtig schaute ich um ihre Beine herum wuffwuffwuff ..und ging wieder in Deckung.  Dann sprang er wieder vor, Frauchen schrie ….

So ging das eine gefühlte Ewigkeit.

Dann kam ein Mann um die Ecke, pfiff und versuchte, das Ferkel zu sich zu rufen.

Aber das klappte natürlich nicht.

Der Mann machte daraufhin einen Satz und packte das Ferkel am Halsband . ” Sorry” sagte er, ” ich hab sie nicht gesehen.”

Wir zwei Hunde machten natürlich weiter Rabatz, immerhin mussten wir was ausdiskutieren. Ich hatte nicht umsonst meine Ärmel hochgekrempelt.

Der Mann zog den Hund weg, Frauchen mich unter lautem Gezeter auch. Ich sah sie flehend an.

Und in dem Moment verstand sie . “Hallo!”

Der Mann drehte sich noch einmal um.

Frauchen griff in ihre Jackentasche und holte einen Häufchenentsorgungsbeutel hervor. Den drückte sie dem verdutzten Mann in die Hand.

” Sie wissen schon…falls ihr Hund mal wieder vor unserer Tür auf den Bürgersteig…….” dann sah sie ihn auch drohend an. ” Wir wissen jetzt wo sie wohnen…”

Dem leuchtend roten Kopf nach zu urteilen, verstand auch er.

Mit hocherhobenen Kopf zogen wir von dannen. Frauchen sagte ” Bella, ich war kurz vor einem Herzinfarkt, weißt du das ? Meine Güte….” sie stöhnte.

Und ich dachte wieder, wie gut, das Frauchen kräftige Beine hat. Wenn der mich erwischt hätte, wär es aus gewesen.

Wuff