Ferkel

Am Sonntagabend habe selbst ich mich geekelt. Außerdem war ich sauer, stocksauer. So sauer, wie nur ein Jack Russel werden kann, der zwei mal hintereinander in die Dusche musste.

Wir waren Gassi.

Frauchen und ich. So wie jeden Abend haben wir ein gemütliches langes Gassiründchen gedreht. Wir gehen gern abends spazieren. Frauchen, weil sie dann nicht so aufpassen muss, wenn andere Hunde kommen, und ich, weil ich dann unbehelligt von anderen Hunden mir die Nase ausgiebig wundschnüffeln kann.

Ich denke, sie will die Begegnung mit anderen Hunden nicht, weil sie sich mit dem Wolfshund so erschrocken hat. Aber sie sagte ja, das war kein Wolfshund, der mir das Schütteltrauma verpasst hat, sondern nur ein ganz normaler mittelhoher Mischling. SIE muss es ja wissen…

Wuff.

Wir tappelten also los.

Aus dem Haus, dann die Strasse hoch und durch die Siedlung. Ich erledigte zuverlässig meine Geschäfte, wie das ein Hund tun muss, und Frauchen sammelte sie ein. Wie das nun mal Frauchens tun müssen.

Ich nenne das ausgleichende Gerechtigkeit. Sie packt meine Häufchen ein und ich beschütze sie dafür.

Dann machte mich so einer Köter an, der hinter einem Zaun vor sich hinbellte. Ich kläffte zurück, denn da kann ja immerhin jeder kommen. Frauchen zog mich entnervt weiter.

Werd mal sehen, ob ich den irgendwann mal unter meine Pfoten bekomme. Ich glaub, da muss mal was geklärt werden.

Dann kamen wir wieder nach Hause.

Wir waren direkt vor unserer Wohnung, als mir Frauchen ein Leckerchen zuwarf. Ich fing es im Flug. Zum Glück, denn im selben Moment rutschte ich weg.

Da hat doch so ein Ferkel direkt vor unserer Wohnung auf den Gehweg einen Haufen gemacht. Und ich bin mit Schmackes reingetreten, und hatte das Zeug an den Hinterpfoten kleben. Ich schüttelte mich, dabei flog mir noch etwas auf den Rücken. nochmal schütteln, ich war komplett eingesaut.

Frauchen quiekte los, was mich veranlasste, loszubellen. Daraufhin schimpfte sie, mit mir und lautstark über den Menschen, der das zugelassen hat, das sein Hund auf den Gehweg macht und es dann da liegen lässt…….

Dann trug Frauchen mich rein, angeekelt, sie war kurz davor, sich zu übergeben. Ich schloss ergeben die Augen, ich hatte keine Wahl.

Sie putzte mich mit feuchten Tüchern ab, und packte mich unter die Dusche, wo sie mich gründlich einschäumte.

“Bella, siehst du, deshalb mögen manche Menschen keine Hunde im Wohngebiet, weil es immer so ***** gibt, die sich zu fein sind, einen Beutel mitzunehmen. Solche *****! Da liegen dann die Tretminen und bleiben liegen!”

Ich hab Frauchen noch nie mit so schlimmen Ausdrücken meckern gehört.

Beim Abtrocknen stellte sie fest, das ich noch etwas unter den Krallen und hinter dem Ohr hängen hatte.

Deshalb die zweite Dusche.

Danach lag ich in meiner Box, wohlduftend, feucht und eingemummelt in eine Decke.

Trotzdem war ich sauer.

Weil man so etwas einfach nicht macht, das finde sogar ich. Der Mensch sollte sich schämen, wenn ich den erwische…

Doofe Leute gibt es, dachte ich noch, während ich einschlief, und von Racheaktionen träumte.