Kleister

Wir haben die neue Wohnung ja nun schon fast zwei Wochen. Also Herrchen und Frauchen haben Sie schon solange, ich erst seit Sonntag.

Sie haben es nicht geschafft, vor dem Einzug alles zu tapezieren, deshalb kam Herrchen heute Abend, ich schlief schon, auf die Idee, noch an die eine Wand die “Tapete ranzuschmeißen ” .

” Ich mach jetzt die Wand noch zu Ende. Ich schmeiß noch schnell die Tapete an die Wand.” sagte er, und Frauchen sah ihn von unten herauf an. “Du Schatz, es ist fast zehn!”  Er ließ sich nicht beirren, stiefelte ins Schlafzimmer und zog seine Arbeitskluft an.

Frauchen sah mich an und tippte sich vor die Stirn. “Männer” sagte sie leise und stand auf, um ihm zu helfen.

Ich stand auch auf, ich wollte zusehen, wie er die Tapete an die Wand schmiss. Er holte einen großen Eimer, in dem war Kleister drin, wie er sagte. Den rührte er mit einem Holzstab noch einmal um, nahm die Leiter und tauchte einen Pinsel in den Kleister. Dann pappte er die ganze Wand voll mit Schmodder, reichte den Pinsel Frauchen, die ihm im Gegenzug die Tapetenrolle gab.

Neugierig stand ich unter der Leiter und sah zu.

“Bella, mach dich ins Körbchen, schlafen, das ist nichts für kleine Hunde.”

Ich blieb.

Er beachtete mich nicht weiter.

“Du hast oben zu wenig Kleister.” sagte Frauchen und zeigte an die Wand. Er zog die Augenbrauen hoch. ” Ich mach das nicht zum ersten Mal.” erwiderte er und begann, die Tapete an die Wand zu drücken.

“Siehst du, hält.” meinte er und drückte die Tapete weiter an die Wand. Mit einer Bürste strich er immer wieder drüber und arbeitete sozusagen von oben nach unten.

Ha, von wegen an die Wand schmeißen… dachte ich, und wollte schon den Rückzug ins Körbchen antreten.

Herrchen war von der Leiter gestiegen und rieb nun unten an der Tapete rum.

“Schatz, da ist zuwenig Kleister dran!” sagte Frauchen noch einmal. “Das hält nicht!”

In dem Moment, in dem Herrchen und ich gemeinsam nach oben schauten, löste sich die Tapete von der Wand, und fiel mit einem schmatzenden Geräusch herunter. Auf ihn und mich.

Panisch wollte ich die Flucht ergreifen , verhedderte mich allerdings in dem klebrigen Papier, strampelte, rutschte mit den nassen Pfoten aus, und knallte vor den Eimer mit Kleister. Dieser kam ins Wackeln und ein Schwapp Kleister fluppte aus dem Eimer.

Ich schlidderte mit letzter Kraft ins Körbchen und sah noch, wie Herrchen sich aus den Resten der Tapetenbahn befreite. Dabei rutschte er zeternd auf dem Kleister aus, und knallte mit seinem Knie auf die Leiter.

Frauchen stand fassungslos daneben.

Eine halbe Stunde später lag ich frisch geduscht und vom Kleister befreit in meiner Box, Herrchen lag ebenso auf dem Sofa. Allerdings mit einem dicken Kühlbeutel auf dem Knie.

Frauchen hingegen beseitigte fluchend und meckernd die Reste seiner abendlichen Arbeitswut.

Ich denke, das kann noch ein lustiger Abend für Herrchen werden.

Wuff