Bindungshormon

Heute war suuuper Wetter.

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Frauchen hat gestern einen Artikel vorgelesen, in dem stand, dass bei Hunden, wenn sie ihren Menschen in die Augen schauen, ein Bindungshormon ausgeschüttet wird. Ebenso wie bei Menschen.

Deshalb bat sie mich, ihr immer wieder in ihre blauen Augen zu sehen. Ich tat es, hab aber nichts von einer Bindung gemerkt.

Außer, dass ich mein Frauchen zum Fressen lieb hab, natürlich.

Als wir heute im Feld waren, bat sie mich:”Bella, schau mich an!” Ich drehte meinen Kopf und sie sah mir tief und bedeutungsvoll in die Augen. Bestimmt wollte sie bei mir wieder die Hormone aufwirbeln lassen. Also sah ich schnell woanders hin.

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“Ich mach dir jetzt die Leine ab, du bist schon gross, du kannst das. Bleib schön hier, hörst du?”

Und sie tat es. Ganz langsam bückte sie sich und betätigte den Karabinerhaken.

Ich erstarrte. FREI, ich bin FREI!

Aber so ganz geheuer war mir das nicht.

Langsam, ohne das vertraute leichte Gewicht an dem Geschirr, schlich ich neben ihr her. Sie bückte sich noch einmal und tätschelte mir den Rücken, wobei sie mir unaufgefordert ein Leckerchen in das Maul schob. “Fein machst du das! Schau, du kannst schon ohne Leine laufen! Das hab ich doch gut hinbekommen!”

Hä? Sie?

Mit stolzgeschwellter Brust lief sie weiter. Sie sah immer nur kurz auf mich herab, ob ich ihr folge. Ich lief nun brav nebenher, den Mäuselöchern schenkte ich keine Aufmerksamkeit. Denn ich hatte doch etwas Angst, dass sie nicht genug Hormone gebildet hat, und mich hier in der Fremde, bei den riesigen Kampfmäusen allein lässt.

Da roch ich es.

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Ich hob meine Nase in den Wind und zog vorsichtig die Luft ein. Katze, eindeutig Katze.

Frauchen war gerade mit ihrem Handy beschäftigt, als der Geruch unwiederstehlich wurde. Ich sah sie schon auf meinem Teller schweben, so nah war er. Dann sah ich ihre grünen Augen im Feld funkeln.

WuffWuffWuff…Hechelhechelhechel..

Weg war ich.

“BELLA! BELLA! KOMM HER! BELLAAAAAA”

Ich hechtete in das Getreidefeld hinter der Katze her. Sie schlug Haken wie ein Hase, rannte  und versteckte sich hinter den Büscheln, bis ich sie wieder hervorjagte. So ging das eine ganze Weile, das Feld war riesengroß.

Die Rufe und Pfiffe meines Frauchens hörte ich schon nicht mehr, als die Katze auf einen Baum sprang, der am Feldrand stand.

Da stand ich davor, hechelnd und bellend. Sie sah auf mich hinab und hob ihre Pfote, als wolle sie winken.

Ich bellte mir den Wolf. Sie ignorierte mich.

Dann sah ich mich um. Hier war ich noch nie, nichts war mir vertraut, nicht einmal der Geruch kam mir bekannt vor.

Mist. Wo war ich?

Aber ich hatte keine Zeit, mich darum zu kümmern. Ich versuchte immer noch, die Katze vom Baum zu bellen. Nach einiger Zeit war ich heiser, und die Katze immer noch auf dem Baum, ich hatte das Gefühl, sie war eingeschlafen. Nicht einmal den nötigen Respekt bringt mir dieses Felltierchen entgegen!

Den nötigen Respekt brachte mir auch mein Frauchen nicht entgegen, als sie wie aus dem Nichts mit dem Fahrrad auftauchte, total verschwitzt und hochrot im Gesicht.

Wütend packte sie mich in den Hundekorb am Lenker und sicherte mich mit einer Leine zusätzlich, bevor sie den Deckel verschloss. Ich konnte kaum noch krächzen vor Heiserkeit.

Sie schmiss mir einige unflätige Wörter um die Ohren und trat in die Pedalen.

“Wenn du nicht wie bescheuert gekläfft hättest, hätte ich dich nie gefunden!” fauchte sie mich an.

Aber das klang wie Musik in meinen Ohren, und ich schenkte ihr einen extralangen Blick aus meinem Korb, bevor ich einschlief.

Der Blick wirkte, und durch das Gitter streichelte sie mein Pfötchen und säuselte “Schön, dass ich dich wiederhabe, Köterchen.”

wuff