Gleichgewicht

Herrchen hat sich heute gedacht, er kann auch so eine klasse Ballwurfmschine wie Frauchen werden.

Als er von der Arbeit nach Hause kam, saß Frauchen gerade mit mir im Garten. Wir spielten Ball. Das heißt, ich spielte und sie musste werfen.

Da ich meine Bälle gestern alle beide im Eifer des Gefechts zerbissen hatte, hat sie mir heute zwei Neue besorgt. Die mussten  natürlich ausgiebig getestet werden. Sie sprangen richtig gut und ich konnte sie teilweise im Flug erlegen.

Dann kam Herrchen. Ich hatte schon das Gefühl, dass das wieder aus dem Ruder läuft. Ich erinnerte mich an unser letztes Spiel, das mit dem Kauknochen.

Herrchen wollte also mitspielen. Ich hatte die Schleppleine dran, damit mich Frauchen festhalten kann, wenn ich wieder durchs geschlossene Tor will.

Aber Herrchen setzte sich nicht auf die Schaukel, so wie Frauchen das  macht. Er stand auf der Wiese und warf die Bälle. Ich hechtete in bewährter Manier hinterher. Links rechts…..links und rechts…

Herrchen hatte mächtig Spaß an der Sache, Frauchen dagegen zog schon die Stirn in Falten.

Links rechts….

Die Schleppleine fing an, sich um Herrchens Beine zu wickeln. Natürlich bemerkte er das nicht, aber ich, als oberschlauer Hund schon. Er wird schon wissen, was er macht, dachte ich noch.

Er ließ den Ball auch mal hüpfen, er wollte mich springen sehen. Dann nahm er den Ball wieder auf. In dem Moment kam der Pimpf aus der Tür. Herrchen drehte sich zu ihm um, ich sprang gleichzeitig an ihm hoch, weil ich den Ball haben wollte..

Ich erwischte aber nur seine Finger, die sich um den Ball geschlossen hatten und biss mich fest. Und er verlor das Gleichgewicht.

Als ich es merkte, dass ich die Finger hatte, ging Herrchen schon schreiend in Zeitlupe zu Boden. Erschrocken  ließ ich los.

Herrchen fluchte so unschöne Wörter, die ich hier gar nicht wiedergeben kann. Ich brachte mich in Sicherheit, soweit die Leine das zuließ.

Und mein Frauchen begann aus vollem Hals zu lachen. Sie wickelte ihn aus der Leine und besah immer wieder seine Hand. Dann half sie ihm hoch, klatschte sich zwischendurch auf die Schenkel und begann wieder    zu lachen. Sie japste nach Luft, während er sich die Hand rieb und mir böse Blicke zuwarf.

Der Pimpf stand immer noch in der Tür. Kopfschüttelnd besah er das Ganze und ließ sich von mir den Ball geben. Gekonnt warf er ein paar Bälle.

“So geht das, Papa.”

Genau. Wuff