Sturmfrei

Heute war mein Rudel zum Geburtstag eingeladen.

Mich haben sie nicht mitgenommen, was ich im nachhinein nicht besonders tragisch empfinde. Frauchen schon.

Gestern hat Frauchen bis zum Abend Kuchen gebacken. Es roch himmlisch in unserer Küche, aber ich durfte wie immer nichts probieren. Nur Herrchen, denn bei ihm klappt das mit dem Augenblinkertrick auch. Wenn er Frauchen so anschaut und mit den Augendeckeln klappert, bekommt er auch immer was. Versteh ich nicht.

Also durfte nur Herrchen kosten, und er kaute mir was vor. Das war ungerecht, fand ich.

Heute morgen dann, haben sie noch eine Weile mit mir im Garten gespielt, dann bekam ich Frühstück, und dann sind sie weggefahren.Sie hatten es sehr eilig, und haben leider auch den ganzen Kuchen mitgenommen. Aber weil sie es so eilig hatten, haben sie die Küchentür nicht richtig verschlossen.

Ich wartete noch ein Weilchen und verhielt mich völlig unauffällig. Zum Glück, denn Frauchen lief noch einmal im Flur herum, sie hatte etwas vergessen. So wie immer, ich kenn sie ja schon.

Endlich waren sie weg, und das war meine Chance, die Wohnung mal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Vorsichtig öffnete ich mit dem Schnäuzchen die Tür und sah mich um. Keiner mehr da. Ich tappelte im Flur herum und inspizierte Herrchens Arbeitszimmer. Ich denke mir, ich muss ihm mal sagen, dass er das Stück Schokolade, was unter dem Schreibtisch lag, nicht mehr suchen muss, das hab ich schon gefressen. Es musste dringend weg.

Danach untersuchte ich das Zimmer von dem Pimpf. Er hat ganz schön viel Spielzeug, und ich fand da vieles, was ich mit in mein Körbchen nehmen konnte. Ein Schaf und eine Schlange suchte ich mir aus.

Mühsam zog ich sie zu mir in die Küche und packte sie in mein Körbchen. Es war ganz schön schwer, sie dort  unterzubekommen. Auch die fast aufgegessenen Kekse brachte ich zu mir. Ich finde, er soll nicht soviel Süsskram essen, das nehme ich ihm doch gerne ab. Mein Körbchen war fast voll, aber ich fand im Bett noch ein weiches Kissen, das bei mir gut aufgehoben wäre. Das nahm ich ebenso mit.

Dann machte ich es mir in meinem Körbchen gemütlich. Ich versuchte erst das Schaf zu erlegen. Es rührte sich aber nicht mehr, also begann ich, die Ohren abzukauen, den Schwanz anzunagen und  auch die Füllung ein bischen herauszuholen.

Zwischendurch frass ich immer ein wenig von den Keksen, die waren lecker.

Die Reste vom Schaf verteilte ich auf dem Küchenfussboden.

Als nächstes nahm ich mir die Schlange vor. Ich zerrte und biss, riss an ihr herum, aber sie wehrte sich nicht mehr. Schade.

Also zerteilte ich auch sie in kleine schnäuzchengerechte Stücke.

Zum Schluss frass ich die restlichen Kekse, bettete mein müdes Haupt auf dem weichen Kissen und ….wurde nach einiger Zeit von einem lauten “BELLA!” unsanft geweckt.

Hä?

Sie waren wieder da, und der kleine Junge stand mit Tränen in dne Augen vor den Resten seiner Plüschtiere.

Er hob die leere Kekspackung auf und sah mich aus kleinen Augenschlitzen an. “Was hast du da gemacht?”

Was erwartet er was ich antworte? Ich sah ihn aus ebenso kleinen Augenschlitzen an, drehte mich um und schlief weiter.

Nicht mal ‘Hallo’ kann der Kerl sagen….

Wuff

Hallo sagte auch mein Frauchen nicht zu mir, als sie die Bescherung sah. Sie sperrte mir wortlos das Abendessen und nahm mir das Kissen wieder ab.

Wuff