Ostern

Heute war ein schöner Tag.

Ganz am Morgen, es fing gerade an hell zu werden, schlich mein Frauchen zu mir in die Küche, was um diese Uhrzeit ungewöhnlich war. Es war ja Sonntag.

Sie schaltete wie immer als erstes die Kaffeemaschine ein. Dann stellte sie Wasser auf den Herd und legte Eier hinein. Während sie den Kaffe schlürfte,bereitete sie noch Gläser vor, in die sie Farbe hineintat. Rote, Blaue, Gelbe…

Dann kamen die gekochten Eier hinein und wurden darin bunt. Hä? Frauchen erzählte, dass das ein Osterbrauch ist, das man Eier färbt und verschenkt. Als sie fertig war, liess sie mich auf die Wiese zum Pipimachen und ging wieder ins Bett. Komisch.

Als sie dann alle viel später aufstanden wurde es noch seltsamer. Der Pimpf wurde wieder in sein Zimmer geschickt, mit dem Hinweis, der Osterhase ist unterwegs. Er grinste nur breit, murmelte “Jaja…wers glaubt..”  und ging.

Frauchen sprang im Garten herum und versteckte die von ihr gefärbten Eier, dazu noch einige eingepackten Sachen. So, wie sie für mich die Leckerchen immer versteckt. Sie gab sich recht viel Mühe, aber mir entging natürlich nichts. Vielleicht war ja ein Leckerchen für mich dabei. Ich wusste allerdings noch nicht, das Frauchen der Osterhase ist. Werd das mal beobachten. Wuff

Dann durfte der Junge wieder runterkommen, und er musste die versteckten Sachen suchen. Aber er stellte sich nur halb so schlau an wie ich, denn er schnüffelte nicht mit der Nase. Er lief nur hier und dort im Garten herum , guckte hinter den Strauch, dann hinter den Blumentopf…..So kann er die nicht finden, sagte ich mir und nahm die Sache selbst in die Hand..äh..Pfote.

Ratzfatz war ich aus der Terrassentür gewutscht und rannte im Schweinsgalopp über die Wiese. Die Nase auf dem Boden, den Schwanz in die Höh, so raste ich los und folgte Frauchens Spur. Alles Rufen war erfolglos, ich war auf der Jagd. Nach Ostereiern.

Das erste Päckchen zerrte ich hinter einem Busch hervor und brachte es zu dem Pimpf, der laut lachend auf der Wiese stand. Er lobte mich und nahm mir das lädierte Päckchen ab. Das Ei, das ich als nächstes fand, liess sein Lachen leicht verstummen. Gut, es war nicht so leicht zu transportieren und war etwas lädiert. Er nahm es aber trotzdem.

Den Hasen, den ich dann sah, schüttelte ich erst mal aus seiner bunten Tarnhülle. So nicht, liebes Karnickel! Ich finde dich auch wenn du eingewickelt bist!

Ich schüttelte und schüttelte, irgendwann war er nackig und ich hatte sein buntes Folienfell ausgezogen. Dann wollte ich ihn triumpfierend zu dem Pimf bringen. Als ich ihn zwischen die Zähne nahm, brach ein kleines Stückchen ab…boah…war der lecker….den mustte ich doch einmal probieren! Schmatzschmatzschmatz…

“BELLA!”  Frauchens Rufen ignorierte ich, so sehr nahm mich der Hase in Anspruch.Schmatzschmatzschmatz..

Jemand packte mich im Genick und klaute mir den fast aufgegessenen Hasen aus dem Schnäuzchen.

Ich schwebte auf Frauchens Arm direkt in mein Körbchen.Mist. Ertappt.

Der Pimpf lachte nun nicht mehr, er sah mich nur mit beleidigter Mine an. Versteh ich nicht, den Rest vom Hasen durfte er doch haben!

Aus meinem Körbchen heraus beobachtete ich, wie er die restlichen Sachen auch noch fand und dann damit hereinkam. Zum Glück war er nicht mehr sauer. Er ging zum Kühlschrank und rannte dann ein bischen im Garten herum. Dann kam er zu mir.

“Bella, der Osterhase hat dir auch was gebracht! Suchs!” und da durfte ich loshechten.

Es dauerte gar nicht lange, und ich hatte es. Einen schönen blutigen Knochen! Lecker!

Jetzt sitz ich hier und kaue. Der Pimpf kaut auch, und wir schmatzen im Gleichklang.

Wuff

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