Mütze

Eigentlich ist ja Frühling, sagt mein Frauchen, aber es ist hundekalt draußen. So kalt, dass Frauchen überlegt, mir morgens, wenn wir Gassi gehen wieder das Mäntelchen anzuziehen. Zum Glück war der Winter nicht so kalt, so dass sie das andere Jäckchen erst im Sommer nähen will.

Weil sie Abends auf der Couch aber immer gern werkelt, hat sie die letzten Abende gehäkelt. Mit einer Nadel , an der ein Haken ist, hat sie immer wieder in dem Wollteil herumgestochert, und heraus kam dann eine Mütze, für sie. Zum Glück ist die für sie, so eine wilde Farbkombinationen möchte ich nämlich nicht anziehen. Herrchen guckte auch skeptisch und zog in bewährter Art seine Augenbrauen hoch. Er grinste, aber das sah Frauchen nicht.

Die Mütze ging ihr bis über die Augen, wie sie feststellte. Deshalb fing sie an, einen langen Faden wieder herauszuziehen. Dadurch wurde die Mütze kleiner. Sie hätte sie auch so lang lassen können, fand ich, da kann sie meine Dummheiten nämlich nicht sehen.

Wuff.

Aber sie ist da anderer Meinung.

Dann schickte sie mich in mein Körbchen und sie werkelte noch etwas daran herum.

Heute Morgen war ein ganz kalter Wind. Sie zog mir also, wie gesagt, mein Mäntelchen an. Irgendwie störte sie das nicht mehr, dass da mein nackiger Bauch rausschaut. Mich störte das schon.

Dann traf mich der Schlag. Frauchen setzte ihre neue Mütze auf. Sie hat gestern Abend, als ich schlief noch etwas oben dran genäht. Ich weiß nicht, welches Tier sie da auf links gezogen hat, aber es sah aus, als hätte sie den  Maulwurf aus dem Garten oben am Kopf.

Fasziniert schaute ich immer wieder nach oben und wartete, das er runterfällt. Er fiel aber nicht.

Also nahm ich mir ihre Mütze nach dem Spaziergang heimlich aus ihrem Jackenärmel und verzog mich damit unter der Bank. Ich wollte den Maulwurf befreien. Aber es war kein Maulwurf, wie ich nach längerem Kauen feststellte. Ich nahm das Teil gründlich auseinander, aber ich fand kein Tier darin. Es war also ein Fake. Mist.

Dann legte ich Frauchen die Mütze vor die Füße. Oder besser gesagt, das was davon übrig war. Sie hatte Tränen der Rührung in den Augen.

Dachte ich. War aber falsch.

Ich bekam Körbchenarrest für heute.

Mist. Wuff.