Probewohnen

So, die dritte Pension haben wir uns dann heute angeschaut. Frauchen sah nur das Büro und ich den Rest.

Die Pension liegt auf dem Weg zu Frauchens Mama, und da soll ich immer abgeliefert werden, wenn sie zu ihr fahren. Also habe ich heute Probewohnen gemacht. So hat mir Frauchen das auf dem Zettel vorgelesen, den sie von der Frau bekommen hat.

Es war ganz schön laut dort, als ich angekommen bin. Ganz viele Hunde bellten durcheinander, und viele Menschen liefen da rum. Erst waren wir im Büro, da hat Frauchen einiges von mir erzählt. Auch so Sachen, dass ich manchmal andere Hunde beißen will. Das fand ich nicht so pralle, denn die Frau zog ihre Augenbrauen hoch und meinte ” Dann kommt sie heute erst mal in eine Einzelbox. ” Hä? Ich krieg Einzelhaft? Was hab ich getan? Das bisschen Beißen kann ja wohl nicht so schlimm sein!

Ich jaulte auf und Frauchen sagte eiskalt ” Ja, besser ist das.”

Selbst mir als Terrier verschlug es die Sprache. Frauchen leinte mich an und die Frau zog mit mir ab. Ich jaulte noch hinter Frauchen her, aber die ging einfach.

Ich bezog dann mein eigenes Zimmer. Notgedrungen. Ich hatte mich umgeschaut, aber keinen Fluchtweg gefunden. Mist.

Und es war nicht mal eine Fußbodenheizung drin. Obermist. Also Probewohnen geht anders, fand ich, und ich begann, mich auf meine Art zu beschweren.

Ich zickte mit dem Nachbarshund ein wenig rum, versuchte, meinen Korb zu zerlegen und bellte mit den anderen Hunden um die Wette. Dann kam die Frau und ließ mich mit einem anderen  Hund spielen. Aber ich war so voll Frust darüber, dass Frauchen mich in Einzelhaft setzen ließ, dass ich mich gleich mal dem anderen an den Hals hängte.

Sodann wurde ich wieder abgeführt. Einzelhaft.

Als Frauchen mich nach endlosen 3 Stunden  – oder waren es Tage? Wochen ? Monate? wieder abholte sprang ich ihr vor Freude auf den Schoß und kriegte mich gar nicht wieder ein. So sehr freute ich mich,dass ich ein kleines bisschen auf ihren Schoß pullerte.

“An dem Umgang mit anderen Hunden kann man arbeiten.” hörte ich die Frau sagen, “aber da reden wir das nächste Mal drüber.”

Sie lächelte und holte die Leckerchen-Büchse.

Frauchen lächelte nicht, als wir die Pension verließen. Sie versuchte krampfhaft den nassen Fleck auf ihrer Hose zu verbergen, als wir an den Leuten vorbei zum Auto gingen.

“Mama, guck mal, die Frau hat eingepullert!” hörte ich ein kleines Mädchen laut sagen, und es zog seine Mutter energisch am Ärmel.

Frauchen klemmte mich mit rotem Kopf unter den Arm und stiefelte zum Auto.

” Bella, du machst mich fertig.” stöhnte sie.

Fertig war ich heute auch, haute mich erst einmal hin und schlief.

Wuff