Schraubstock

Zur Feier des schönen Tages hat Frauchen beschlossen, dass wir wieder einmal unsere alten Hundekumpels von der Welpenstunde besuchen.
Die sind ja genau wie ich nun in der Junghundespielstunde und ich werde jetzt, so hoffe ich, so gross sein wie der schwarze Riese. Ganz sicher bin ich mir da nicht, denn ich trage immer noch das gleiche Halsband . Aber vielleicht hat sich das ja auch, von mir unbemerkt, gedehnt.
Wir fuhren also dorthin. Auf der Fahrt war ich wie immer ganz aufgeregt, und jammerte und heulte leise vor mich hin. Das kleine Herrchen war auch mit und tröstete mich die ganze 5 Minuten lange Fahrt über. Dankbar leckte ich ihm die Hand, was er mit einem “Igitt, Bella, lass das!” kommentierte. Komisch, wenn Frauchen ihn knutscht sagt er nie Igitt. Und dabei verteilt sie mindestens so viel Spucke wie ich.
Egal.
Beim Aussteigen sah ich schon das Auto, das zu dem Riesen gehört und machte mir vor Angst fast ins Fell. Ja, auch ein Jagdhund darf Angst haben, wenn so ein grosser Feind ihm gegenübersteht.
Wuff
Wir gingen zu der eingezäunten Wiese, und da stand er. Er war noch gewachsen und meine Befürchtung hatte sich bestätigt. Ich war noch genauso klein. Es ist ein Jammer.
Er stand da, sah mich und begann schon leise mit den Krallen auf den Boden zu trommeln.Der Sabber tropfte ihm aus der Schnauze, er hob die Lefzen und fixierte mich. Ich aber tat so, als habe ich ihn gar nicht bemerkt. Es gab so viel zu schnüffeln und ich gab mich meiner Lieblingsbeschäftigung hin. Immer mit einem Auge auf ihm.
Ich schnüffelte mich da so durch, plötzlich war ich an einem schwarz behaarten Bein angelangt.

Mist.
Das war seins. Im gleichen Moment, als ich das bemerkte, packte er mich ohne Vorwarnung im Genick. Ich quiekte los und im gleichen Moment liess er mich los und quiekte ebenfalls. Nur eine Oktave tiefer. Und dann war ich schon bei Frauchen auf dem Arm und der Riese hing am ausgestreckten Arm seines Frauchens. Mir zittern immer noch die Schnauzhaare, wenn ich daran denke. Das war knapp, verdammt knapp.

Wir wurden in entgegengesetzte Ecken der Wiese verbracht, sahen uns aus der Entfernung an und..
WuffWuffWuffWuff
WuffWuffWuffWuff
WuffWuffWuffWuff
Wenigstens hatte ich meine Stimme noch. Er allerdings auch. Es hörte sich an wie Donnergrollen, als er richtig loslegte. Ich wollte es ihm doch noch zeigen, schliesslich hatte ich mir den Namen Klitschko gegeben. Aber Frauchen tippte sich an den Kopf, klemmte mich wieder unter den Arm und zog sich in eine andere, nicht einsehbare Ecke zurück.
Ich wand mich und strampelte, aber ich hatte keine Chance. Ihre Arme waren wie die Backen des Schraubstockes, den Herrchen in der Werkstatt hat, um mich gelegt und hielten mich fest.
Dabei hätte ich den besiegt, hätte sie mich nur gelassen..
Bald verliessen wir die Spielstunde wieder. Frauchen war es leid in der Ecke zu stehen und ich war es leid, immer ausgebremst zu werden.

Auf dem Parkplatz ließ ich es mir nicht nehmen, noch einmal an seinem Auto mein Bein zu heben.

“Bella, du bist doch ein Mädchen!”

Echt?

Egal.
Dem hätte ich zu gern gezeigt, wo der Russel seine Zähne hat…
Wuff

20140816_212413 (Large)