Hasi

 

Heute saß ich so ahnungslos am Fenster in der Küche.
Frauchen war immer noch im Nachthemd, wie üblich, und trank Kaffee.
Ich schaute raus, betrachtete die Wiese und die Vögel an den Bäumen.
Plötzlich sprang etwas hinter dem Kaninchenstall hervor.
WuffWuffWuffWuff
“Bella, aus!” meckerte Frauchen, ohne ihren Blick zu heben.
WuffWuffWuffWuff
WuffWuffWuffWuff
“BELLA! AUS! Das ist doch nur das Kaninchen!”
‘Ja, aber auf der Wiese!’ wollte ich zurückwuffeln, aber sie verstand das bestimmt eh nicht.
Ich bellte mir die Seele aus dem Leib, bis sie ziemlich angesäuert ihren Kaffee nahm und ans Fenster kam.
“Das Kaninchen ist draußen!” brüllte sie mit einmal los und rannte zur Tür.”Kind, komm runter, wir müssen das Karnickel einfangen!”
“Okay.” kam es wie gewohnt aus dem Kinderzimmer, und es tat sich auch wie üblich – nichts.
Ihre Stimme zitterte, während sie mit flatternden Händen versuchte, mich ins Wohnzimmer abzudrängen.
Das wollte ich aber nicht und sprang wie verrückt vor Vorfreude auf ein paar leckere frische Kaninchenohren in der Küche herum.
WuffWuffWuffWuff
hechelhechelhechel
WuffWuffWuffWuff
Endlich durfte ich mal jagen, hoffte ich.
“Jetzt komm schon her!” sie erwischte mich doch mit beiden Händen und-Tür auf-Hund rein-Tür zu.
Mist.
Ich tobte noch etwas im Wohnzimmer herum, und sprang dann schließlich hoch ans Fenster.
Wenigstens einen Platz in der ersten Reihe.
Hehe..
Frauchen unterdessen sprintete in den Garten.
Dann standen sie da, das Kaninchen und sie, und sahen sich an.
Frauchen im Nachthemd, und-oh Wunder -ohne Kaffetasse , das Kaninchen hatte ein Fell an und ein Grashalm ragte ihm noch aus dem Schnäuzchen.

1:0 für das Kaninchen , würde ich sagen.
Ich hätte gern das Kaninchen im Schnäuzchen gehabt, das Fell hätte ich ihm schon ausgezogen….
Lecker.
Bei dem Gedanken begann ich zu sabbern..
Der Pimpf war immer noch nicht unten, so dass sie die bevorstehende Jagd allein gewinnen musste.
Aber mich wollte sie ja nicht dabeihaben.
Sie breitete die Arme aus und ging langsam auf das Tier drauf zu.
Hasi kaute genüsslich seinen Halm zu Ende, schielte aber unentwegt zu ihr hin.
Sie war fast bei ihm angekommen und murmelte …”Komm her, Hasi, komm …”
Hasi kam aber nicht sondern hoppelte ein paar Meter weiter. Er nahm sich einen neuen Halm und sie lief wieder langsam auf ihn drauf zu. “Komm, Hasi…”
Ich sah, daß sie keine Hausschuhe anhatte, und fragte mich, ob sie sich dann auch die Füße sauberleckt, wenn sie reinkommt. So, wie ich das mache.
Egal.
Hasi war immer noch mümmelnd im Garten unterwegs, Frauchen Meter für Meter im Nachthemd hinterher.
So ging das eine ganze Weile.
Irgendwie tat sie mir leid, ich fragte mich langsam, was wohl die Nachbarn sagen, wenn sie sie so im Garten umherziehen sehen.
Es wäre wohl nur eine Frage der Zeit bis SIE eingefangen wird.
Frauchen näherte sich wieder dem Hasi bis auf einen Meter.
Da hatte ich die Faxen satt.
WuffWuffWuffWuff
WuffWuffWuffWuff
Und ich sprang die Scheibe hoch.
Hasi erschreckte sich und war mit zwei Sätzen im Stall.
Frauchen sprang hin, schloss die Tür und drehte sich langsam zu mir um. Dann zeigte sie mir den Stinkefinger. Aber grinste dabei.
He! Ich hab das Kaninchen eingefangen! Was soll das!
Ich hörte wie der Pimpf auf die Terrasse trat und fragte:” Ist das Kaninchen draußen?”
Dann zeigte sie auch ihm den Stinkefinger, aber grinste nicht.
Wieder in der Küche, nachdem ich vom Wohnzimmerarrest befreit war, gab sie mir als Entschädigung für entgangene Jagdfreuden einen Kauknochen.
Dann ging sie sich die Füße waschen und ich versteckte den Knochen für schlechte Zeiten hinter der Gardine.

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Wuff