Brutus

Heute ist Frauchen endlich aus dem Krankenhaus raus.
War nur eine kleine OP, aber es war stocklangweilig ohne sie.
So richtig weit laufen kann sie noch nicht, aber eine klitzekleine Runde haben wir doch gedreht.
Wir liefen so den Patt-für alle Nichtwestfalen, das heisst auf deutsch WEG, lang, ich schnüffelte mal hier und mal da.
Frauchen war etwas langsam auf den Beinen, ich hatte es eiliger.Eigentlich so wie immer.
Dann bogen wir auf den breiten Weg ab.
Und da stand er.
Der große schwarze Nachbarshund.
Mit seinem Herrchen.
Ohhh, mir wurde ganz anders.
Wir hatten uns bis jetzt nur aus der Ferne beschnüffelt, noch nie so richtig getroffen.
Mann, war der groß! Sein ganzer Kopf war so groß wie ich!
Und diese riesigen Pranken!
Mein Frauchen schien nicht irritiert zu sein und lief einfach weiter.
Auf ihn drauf zu.
Mit mir im Schlepptau.
Dann blieb sie stehen und unterhielt sich mit dem Mann.
Der Nachbarshund war ein Rüde, wie ich gleich bemerkte. Also ließ ich mal das Weibchen in mir raushängen.
Ich wedelte freundlich, heisst, ich wackelte mit meinem Stummel und meinem Hintern , lief auf ihn zu, er schaute mich freudig an, beugte sich zu mir hinab, und…ZACK-hing ich ihm am Hals im Fell.
Er konnte gar nicht so fix reagieren, sprang nur erschrocken hoch.
Genauso schnell ließ ich ihn wieder los und versteckte mich in bewährter Manier hinter Frauchens Beinen.
Ich knurrte ihn aus der sicheren Position noch einmal dunkel an und fletschte die Zähne.
Dann nahm ich ihn nochmal ins Visier. Und danach Anlauf…
“Bella, aus! ”
Frauchen war mir in den Weg gesprungen und ich prallte unsanft an ihre moppeligen Beine.
Mist.
Sie hat mir die Tour versaut.
Ich richtete mich noch einmal zu meiner ganzen Größe von 35 cm auf und fixierte ihn.
Da machte er ein paar Schritte rückwärts und ging hinter seinem Herrchen in Deckung.
HA! Besiegt!
Ich werde mich nochmals umbenennen.
Ab heute bin ich Brutus.
Wuff