Postbote

Mein Frauchen hat vor Weihnachten ganz viele Pakete und Päckchen im Internet bestellt.
Immer wenn der Postbote geklingelt hat, hat sie mich nicht hinausgelassen.
Nie dürfte ich den netten Mann persönlich kennenlernen.
Heute nun war ich mit Frauchen auf der Wiese neben unserem Hof.                                                                                                     Ich sag immer unserem, dabei gehört der uns ja gar nicht. Egal, alles meine.
Auf der Wiese sind manchmal die Pferde.
Heute hatten wir aber freie Fahrt.
Wir sind rumgetobt, ich hab Bällchen gefangen, Futterbeutel gesucht und mein Lieblingsplüschtier, meinen Otto, durch die Luft gewirbelt.
Frauchen hat sich heute echt kreative Verstecke für den Futterbeutel ausgesucht.
Die Wiese ist groß, und ich musste mich ganz schön anstrengen, um ihn zu finden.
Unter Zweigen, hinter riesigen Grasbüscheln, an einem Ast.
Beim rumschnüffeln, meiner Lieblingsbeschäftigung,stieg mir ein Duft in die Nase.
Ich hob den Kopf und was entdeckte ich?
Einen Pferdeapfel!
Eine Sekunde später war dieser in meinem Schnäuzchen verschwunden und ich schmatzte.
Sowas ist lecker!
Frauchen fand das nicht und betitelte mich als Ferkel. Sie schüttelte sich vor Ekel und wollte auch gar nicht probieren.

Versteh ich nicht.
In diesem Moment bog der Postbote mit dem Auto um die Ecke.
Sie nahm mich auf den Arm und lief mit mir zu ihm hin, weil er ein Paket in der Hand hielt.
Der Postbote war ganz begeistert von mir, und ich von ihm. Endlich darf ich ihn mal kennenlernen.
” Ist der niedlich! Kommen sie, ich halt ihn solange sie unterschreiben.”
Schon schnappte er mich und hielt mich vor sein unrasiertes Gesicht.
“Ja was bist du denn für ein süßer?”
Ich schob meine Zunge raus und ..”BELLA, NEIN!” ..leckte ihm übers Gesicht.
So richtig von unten über den Mund bis zum Auge.
“Der hat gerade…” setzte Frauchen an und drehte sich um, weil ihr fast ihr Frühstück aus dem Gesicht fiel.
“Lassen sie nur, meiner macht das auch immer.”
Ich leckte nochmal drüber und er ließ mich runter. Ein kleiner Strohhalm aus dem Pferdeapfel blieb an seinem Kinn kleben.
Er bemerkte es nicht, stieg fröhlich winkend in sein Auto und verschwand.
Frauchen klemmte mich wieder unter den Arm und verabschiedete sich.
Dann trug sie mich rein, und flüsterte mir nochmal “Ferkel!” ins Ohr.
Aber ich merkte, dass sie sich das Lachen kaum verkneifen konnte.
Ich mir auch nicht.
Wuff