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Surfen

Nun ist schon einige Zeit seit meiner OP vergangen, und ich muss sagen, ich bin topfit.

So fit, dass ich wieder durch die Wohnung toben kann, bis die Wände wackeln. Ich bring sie auch genügend zum Wackeln wenn ich meinen Flitz habe, wie Frauchen das nennt.

Los geht’s immer in der Küche, auf den Fliesen kann man prima schliddern. Da ich da nicht soviel Bodenhaftung habe, geht da auch schon mal was zu Bruch, ich mein, die müssen ja die Wasserflaschen nicht auf den Boden stellen, wenn ich spielen will.

Dann, wenn zufällig die Schlafzimmertür auf ist, ab aufs Bett. Unter die Bettdecke, einmal durchgerobbt, drauf herumgewälzt und gehüpft. Das ist ein prima Indoortrampolin.

Immer so, dass ich Frauchen grad noch entkomme, denn es ist erstaunlich, was sie trotz ihrer Figur für eine Schnelligkeit entwickeln kann.

Zum Schluss rase ich durch ihre Beine in den Flur, springe auf die Läufer und rutsche mit denen über den Boden. Solange, bis beide Läufer nicht mehr auf dem Boden, sondern zusammengeknautscht an der Wand liegen. Läufer als Surfbrett sind super. Der Flur könnte länger sein, aber man kann ja nicht alles haben.

Jaaaaa, ich bin schon ne coole Socke.

Anschließend bekommt Frauchen dann einen Flitz. Einen Aufräumflitz. Der läuft aber wesentlich ruhiger ab, wenn man von ihrem Gemecker mal absieht.

Nun habe ich festgestellt, dass ich auch prima auf die Couch klettern kann. Ich meine, auf die Couch kam ich ja schon immer, aber nun habe ich die Lehne entdeckt. Ich sag euch, wenn man von da wieder auf den Teppich springt. Ist wie Bungee jumping ohne Seil. Hehe…!

Herrchen nennt mich nun auch mit Zweitnamen Reinhold.

Wuff

Familienplanung

Als ich nach einer gefühlten Ewigkeit wieder aufwachte, war es schon dunkel.

Frauchen schlief neben mir auf der alten Klappmatratze. Ich rührte mich ein wenig, und sie schreckte hoch.

“Bella, Kleine, ist alles okay?”

Ich schaute sie wieder anklagend an.

Sie fragte mich allen Ernstes ob alles okay ist. Ich fasste es nicht.

Frauchen rappelte sich hoch. Es dauerte eine Weile, bis sie es geschafft hatte, von dieser Matratze herunter- und auf die Beine zu kommen. Ich fragte mich, wie sie es wohl geschafft hatte, sich dort hinzulegen.

Aber noch hatte ich andere Sorgen.

Ich musste mal. Dringend. Nein, sehr dringend.

Sie nahm den Deckel der Box ab und mich heraus. Dann setzte sie mich auf die Wiese. Es war auch keine Sekunde zu früh…

Als sie mich wieder reintrug, stellte sie mich auf den Boden und holte einen Plastiktrichter hervor. Diesen legte sie mir vorsichtig um meinen Hals, so dass ich nicht einmal mehr sehen konnte, was der Tierarzt mit mir gemacht hat. Geschweige denn, meine Wunden zu lecken.

Sie sah mich ernst an. “Bella, wir haben dich kastrieren lassen.”

Hä?

Die haben meine Familienplanung ruiniert! Meine Zukunft mit vielen kleinen Kinderchen verbaut! Das Interesse des immer paarungswilligen Nachbarrüden von mir gelenkt!

Ich knurrte sie leise an. Ich war fassungslos.

Zu ihrem Glück konnte ich nicht lauter, da ich ja schon mit einem Bein auf der Regenbogenbrücke war.

“Bella, du hast so oft schon Gebärmutterentzündungen gehabt, du weisst, dass du fast gestorben bist. Das musste jetzt gemacht werden.” sie streichelte mich vorsichtig, aber merkte recht schnell, dass auch Hunde, die mit einem Bein auf der Regenbogenbrücke stehen, grantig werden können.

Ich verzog mich knurrend auf das bereitgelegte Kissen auf den Boden und würdigte sie keines Blickes mehr.

Sie mich allerdings auch nicht.

Kopfschüttelnd verzog sie sich wieder auf ihre Matratze und zog leise stöhnend die Decke über den Kopf.

Dann lagen wir die ganze Nacht wach.

Frauchen, weil sie eigentlich viel zu schwer für diese Matratze war, und ich, weil mein Bauch weh tat und ich mich mit diesem bescheuerten Trichter nicht einrollen konnte.

Mist.

Wuff

 

 

 

Aua

imageLetzte Woche, früh am Morgen, holte Herrchen meine Lieblingstransportbox aus der Garage. Ich stutzte, Frauchen hatte doch gar nichts gesagt, wegen Pension oder so.

Außerdem hatte ich noch nicht gefrühstückt, auch Abendessen gab es zuvor nicht.

Trotzdem sprang ich powackelnd hinein. Ich dachte mir, vielleicht wollen sie mich überraschen, dass ich mir vielleicht mein Frühstück einmal selbst fangen darf. So richtig Kuh am Stück ode  eine leckere Forelle …..ich fing schon an zu sabbern.

War aber nix.

Es ging zum Tierarzt.

Herrchen stellte mich ins Wartezimmer, klopfte noch einmal leise auf die Box ” Tschüss, Kleine, bis heute Abend!”

Hä?

Dann hob mich eine Helferin mit der Box hoch und verschwand mit mir im hinteren Bereich.

Was dann kam, erspar ich euch.

Als sie mich am Abend wieder abholten, lag ich, noch benebelt von Schmerz -und Narkosemitteln in meiner Box und rührte mich nicht mehr. Ich dachte , ich muss über die berühmte Regenbogenbrücke gehen.

Frauchen standen die Tränen in den Augen, als sie mich leiden sah. Ich sah sie groß an und winselte leise. Dann fielen mir die Augen zu, und ich schlief wieder ein. ……..

 

Chamäleon

Ich glaube, Frauchen ist ein Chamäleon .

Jeden Morgen steht sie auf, verknittert im Gesicht, die Haare matschig und zerwühlt und die Augen halb zu.

So schlurft sie dann in der Küche herum. Macht Frühstück, schickt ihre Männer weg , die großen und kleinen, und lässt in der Zeit ein paar Tassen Kaffee in ihrem Mund verschwinden. Ich bin ja immer schon froh, das sie mit meinem Frühstück den Fressnapf trifft, so verpeilt ist sie.

Aber dann, die Familie ist außer Haus, verschwindet sie im Bad, wo ich niemals freiwillig hinein gehen würde.

Dann höre ich das Wasser rauschen, und es klappert und zischt.

Nach einer gefühlten Ewigkeit erscheint sie wieder. Eine ganz andere Frau.

Das Gesicht nahezu faltenfrei, die Haare gelockt, und die Augenränder bemalt. Nach unterschiedlichen Sachen riechend, das nennen Menschen glaub ich Parfüm.

Ich weiß nicht, wie sie das macht, aber bei Herrchen klappt das nie.

Hm.

Bei mir auch nicht.

Ich seh, wenn ich aus der Dusche komme, immer aus wie eine nasse Ratte.

Wuff

 

Rückenglatze

Ich hoffe nun, der Haarausfall legt sich langsam.

Frauchen hat eine tolle Idee gehabt, und einen Handschuh zum Fellrausziehen mitgebracht.

Sie kam vom Einkaufen und ich hibbelte schon, weil sie mir immer etwas mitbringt. Also sprang und hüpfte ich herum, und versuchte, in ihre Einkaufstasche zu schauen. Denn ich roch, dass sie im Hundefutterladen war.

Aber sie lächelte mich nur geheimnisvoll an und stellte die Tasche hoch.

Mist.

Wuff

Irgendwann dann kam sie an, die rechte Hand auf dem Rücken,und sagte, ich solle mich auf den Boden vor sie legen. Tat ich auch.

Bestimmt wollte sie mir jetzt das Leckerchen geben, dachte ich.

Aber sie nahm die Hand vor und hatte ein nach Gummi stinkendes Ding an der Hand stecken.

Mit diesem begann sie, meinen Rücken zu schubbern und zu streicheln. Erst war ich noch entsetzt, aber dann schmolz ich vor Wonne fast auf die Fließen. Frauchen kicherte sich einen ab, wie ich da ganz selig lag, und mir das Winterfell rausstreicheln ließ .

” Irgendwann schnurrst du, und dann nenn ich dich Minka. So wie Nachbars Katze…” lachte sie.

Was? Katze? Wo?

Wuffwuffwuffwuff…

Ich sprang auf meine Füße und raste ans Fenster. War aber leider keine da zum bellen. Also Fehlalarm.

Frauchen kniete auf der Erde und stöhnte. Der Boden sah jetzt so aus.

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Ich hab jetzt eine Rückenglatze, glaub ich.

Aber ich bin trotzdem froh, es juckt nicht mehr.

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Fellwechsel II

Ich beobachtete gestern meinen Haarausfall. Auch wenn es noch so sehr juckte, ich vermied es, mich zu kratzen oder auf dem Teppich zu wälzen.

Meine Angst vor einer Glatze wurde noch durch Frauchens Kommentare untermauert. Wie üblich machte es ihr Spaß, mich zu ärgern. So legte sie mir zum Beispiel demonstrativ das Strickzeug vor die Nase, mit dem Hinweis, ich solle mir schon einmal eine Farbe für mein neues Fell aussuchen. Sie meinte, sie kann mir auch eins filzen, was ich aber ebenfalls dankend ablehnte – ich kenne Herrchens handgefilzte Hausschuhe. So einen Flohfeudel will ich nicht.

Da lauf ich doch eher nackt, echt.

Die Idee, mir ihre Lieblingsbluse zu geben, kam Frauchen mal wieder nicht. Obwohl ich fand, das das Muster mir besonders gut steht.

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Wuff

Langsam begann es unerträglich zu jucken, ich versuchte zu schlafen und es einfach auszublenden, aber es funktionierte nicht.

Wenn ich eindöste, träumte ich von Massagebürsten, die mir alle losen Haare wegschubberten, von herrlich hohen Wollteppichen, auf denen ich mich grunzend wälzen konnte, und von klaren kühlen Wasserfällen, die meinem Juckreiz den Garaus machen.

Leider sah ich mich am Ende der Träume immer nackt, nur mit zwei Haarbüscheln an den Haaren. Innen und außen.

Dann wurde ich wach, und besah mich erst einmal panisch.

Im Schlafzimmer , da wo die verbotenen Betten standen, war ein Spiegel, in dem auch ich mich betrachten konnte. Was ich auch stundenlang tat.

Ich sah bis jetzt keine haarlosen Stellen, so sehr ich mich auch wendete und drehte.

……..

Fellwechsel

Heute morgen bin ich aufgewacht und reckte und streckte mich. Das ist mein persönliches morgendliches Hundeyoga, meint Frauchen.

Dabei schaut sie mir immer zu und lächelt still in ihre Kaffetasse. Vielleicht freut sie sich, dass sie mich hat. Kann ich verstehen.

Wuff

Beim Strecken merkte ich, dass es in meinem Fell so komisch knisterst. Mein Pelz juckte und ich setzte mich hin, und kratzte mich ausgiebig. Dann schmiss ich mich auf den dicken Wollteppich im Wohnzimmer und wälzte mich darauf hin und her. Minutenlang.

Ich hielt die Nase in die Höhe, um zu schnüffeln, ob sich Frauchen schon um Frühstück für mich gekümmert hat. Hatte sie aber noch nicht, sie hatte wie jeden morgen erst einmal ihren Kaffee im Kopf. Also trottete ich zu ihr, um mich in Erinnerung zu bringen.

Sie folgte mir die ganze Zeit mit den Augen, und nippelte nebenbei an ihrer Tasse. Es war bestimmt schon die dritte Füllung, die sie sich einverleibte. Prima, und ich hatte noch nicht einmal eine im Napf, dachte ich, und stellte mich angesäuert auf die Hinterbeine an ihren Sessel.

Plötzlich quiekte sie los.

“BELLA! Du verlierst ja Unmengen an Haaren! Ach nöööööö…” Sie schob mich zur Seite und sich aus der Halbwaagerechten.

“Bella, kannst du dein Winterfell nicht behalten?” motzte sie mich an.”Alles voller Haare!!”

Ach das war das Knistern und jucken, dachte ich. Es geht also wieder los, Fellwechsel.

Ich kratzte mir verlegen eine immer noch juckende Stelle, als Frauchen zu kichern anfing.

“Wenn du weiter so machst, hast du bald eine Glatze!”

Hä?

Glatze? Ich?

Erschrocken sah ich unter mich. Der ganze Boden war voll mit weißen Härchen . Ich war geschockt, und sah mich schon als Nackthund, nur mit ein paar lächerlichen Fellbüscheln und von Frauchen in affigen Farben bestrickt im Garten rumrennen.

…….

 

 

 

Yoga

Frauchen ihr neues Hobby ist Yoga. Einmal in der Woche zieht sie bequeme Sachen an, schnappt sich eine flauschige Matte und verschwindet zu ihrer Yogagruppe.

Wenn sie dann nach zwei Stunden wiederkommt, ist sie ziemlich aufgedreht, und zeigt Herrchen, der dabei bequem auf dem Sofa lümmelt, was sie alles für Verrenkungen kann.

Dann lässt sie sich von ihm bewundern, wobei er mir zwischen den ganzen “Oooh” und ” Ahhh” Rufen immer wieder verschwörerisch zuzwinkert. Ich weiß schon, was er meint. Er denkt bestimmt das gleiche wie ich. Aus Frauchen wird nie ein Schwan, da kann sie sich noch so toll verbiegen.

Ich hab dann einmal spaßeshalber mitgemacht.

Den nach unten schauenden Hund bekomm ich fast hin.

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Frauchen meinte, ich solle dabei auch nach unten schauen, und lachte. Dann machte sie es mir vor, und wie dann wir beide so dastanden, den Po in die Höhe und den Kopf nach unten, kam der Pimpf rein, schüttelte den Kopf und bewegte die Hand vor der Stirn hin und her.

“Ich kann den Scheibenwischer..”  kicherte er und verschwand wieder.

Versteh ich nicht.

Wuff